Zahnärztliches Lexikon S
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Saccharase
ein im Speichel vorkommendes Enzym zur Spaltung des gewöhnlichen Zuckers in seine Hauptbestandteile Traubenzucker und Fruchtzucker.
Saccharin
etwa 500 mal so süß wie Zucker; ==> Zuckerersatzstoffe.
Saccharose
==> Zucker.
Sachleistung
in der Gesetzlichen Krankenversicherung übliche Art der 'Bezahlung' ärztlich erbrachter Leistungen; 'Sachleistung' deshalb, weil die Gesetzliche Krankenkasse nicht die Kosten einer Behandlung schuldet, sondern die medizinischen Leistungen über Vertragszahnärzte zur Verfügung stellt. Die vom Patienten verursachten Kosten werden auf Grundlage eines Krankenversicherungsnachweises ('Chip-Karte') direkt zwischen den Krankenkassen und den kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen), welche die Honorarforderungen ihrer Mitglieder (Zahnärzte) vorab auf sachliche und rechnerische Korrektheit überprüfen, verrechnet und an den entsprechenden Behandler ausbezahlt. Bedingt durch das 2. Gesundheitsneuordnungsgesetz (2.NOG) sind ab 1998 - hauptsächlich aus Transparenzgründen, Wegfall einer nachträglichen Wirtschaftlichkeitsprüfung und wegen einer vermeintlichen Verwaltungsvereinfachung - die großen Leistungsbereiche zahnärztliche Prothetik und Kieferorthopädie aus der Sachleistung herausgenommen und der Kostenerstattung zugeführt worden.
Sachverständiger
==> Gutachter.
sagittal
anatomische Ebenen- und Richtungsbezeichnung; gemeint ist mit s. die Richtung von vorn (Vorderseite des Körpers) nach hinten (Rücken, Hinterseite des Körpers) bzw. eine Längsebene (von vorn nach hinten) durch den Körper. In der ZHK verwendet bei der Ausdehnung des Kiefers in Längsrichtung (sagittaler Richtung).
Salivation
Speichelfluß, -sekretion; die Absonderung von Speichel aus den Speicheldrüsen; eine verminderte Speichelbildung bezeichnet man als Xerostomie, eine vermehrte als Ptyalismus.
Salmiakgeist
Ammoniumhydroxid; früher gebräuchliches Riechmittel bei bestehender Ohnmacht.
Salzfluoridierung
==> Kochsalzfluoridierung.
Sandwichtechnik
Begriff und Technik beim Legen von Komposit - Füllungen. Jeder Füllungskunststoff schrumpft beim Abbinden (Polymerisieren) mehr oder minder stark und vermindert so die Randdichtigkeit einer Füllung. Um diese Volumenveränderung möglichst gering ausfallen zu lassen, wird das Füllungsmaterial in Schichten ('Sandwich') aufgebracht und jeweils einzeln ausgehärtet. Siehe auch unter Lichtpolymerisation.
Sanguinarin
aus dem kanadischen Blutwurz gewonnenes Alkaloid mit plaquehemmenden Eigenschaften; findet deshalb Verwendung in Zahnpasten und Mundspüllösungen.
Sanierung
schlagwortartiger Begriff für die Durchführung aller zahnärztlich notwendigen Maßnahmen (Extraktionen, Füllungen usw.) in einem dringend behandlungsbedürftigen Gebiß. Bei nicht behandelbaren Patienten (Behinderte, einer normalen Behandlung nicht zugänglichen Kindern) wird eine S. häufig in Vollnarkose durchgeführt.
Sattelfüllung
Schlagwort für eine 3-flächige Füllung (sog. MOD-Füllung), welche den Zahn vom vorderen Zahnzwischenraum über die Kaufläche bis zum hinteren Zahnzwischenraum ausfüllt.
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Sauger, Saugerprothese
früher gebräuchliche Art der Haftverbesserung für eine Oberkiefer-Vollprothese; entweder durch ein kleines Gummiplättchen in flacher Napfform, welches sich am Gaumen des Oberkiefers fest saugt oder durch gaumenseitige Vertiefungen in der Prothesenbasis der Vollprothese. Bedingt durch die Saugkraft auf relativ kleiner Fläche kann es zu kreisförmigen Knochenverlusten bis hin zu Knochendurchbrüchen in den Nasenboden, bzw. zur Ausbildung von Fibromen kommen. Durch exaktere Abdruckmethoden und bessere chirurgische Möglichkeiten (Kieferplastiken, Implantate) ist die Verwendung von S. medizinisch nicht mehr indiziert.
Saumepithel
Vereinigung des Mundhöhlenepithels mit dem aus der Zahnschmelzbildung stammenden Epithelresten des Schmelzorgans. Während das sichtbare Gingivaepithel (= äußeres Saumepithel) verhornt, geht es am Zahnfleischrand in das innere S. unter Bildung einer 1-2 mm tiefen Rille (Sulkus, "Tasche") über und bildet mit dem Zahn durch den sog. Epithelansatz eine für den Körper äußerst wichtige "dichte"Verbindung (=dentogingivaler Verschluß), welche keine Mundhöhlenbakterien in die Tiefe eindringen läßt.
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Säureätztechnik
siehe unter Ätztechnik.
Scaler
(angelehnt an den engl. Ausdruck für einen Fischschuppenentferner); hakenförmiges, dreikantiges Instrument zur Reinigung der Zahn(wurzel)oberfläche.
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Scaling
"Abkratzen"; Reinigung der Zahnoberfläche (Zahnkrone und -wurzel!) von Belägen, Plaque, Konkrementen und Zahnstein im Rahmen einer parodontologischen Behandlung meist mit speziell geformten und geschärften Handinstrumenten (Scalern, Tomkinsfeilen), in den letzten Jahren vermehrt auch mit Geräten auf Ultraschallbasis. Zur optimalen Oberflächengestaltung des behandelten Zahnes schließt sich das sog. Root planing an.
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Schadensersatz
siehe unter Haftung.
Schädel
lat. Cranium; Bezeichnung für den knöchernen Teil des Kopfes mit grober Unterteilung in Hirn- und Gesichtsschädel.
Nebenstehende Abb. zeigt oben eine ungefähre Abgrenzung der beiden Schädelarten.
Abb. unten: die Knochen des Gesichtsschädels; graphisch nicht dargestellt sind der Gaumen, das Zungenbein und die Flügelfortsätze des Keilbeins, welche ebenso noch zum Gesichtsschädel gehören.
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Schaft
der Teil eines rotierenden Bohrinstrumentes ('Bohrer'), welcher in das Bohrgerät eingesetzt wird. In der ZHK gibt es je nach Verwendung zwei Schaftsysteme:
» glatter S. (sog. FG-Schaft; FG= friction grip; siehe Abb.), welcher in ein selbstspannendes Bohrgerät eingesetzt wird und hauptsächlich bei hochtourigem Bohren Verwendung findet,
» Ringnut-S. zum formschlüssigen Einsetzen und meist manuellem Verriegeln in ein Bohrgerät.
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Schaltprothese
Teilprothese, herausnehmbarer Zahnersatz, bei welcher die fehlenden Zähne im Gegensatz zur Freiendprothese auf beiden Seiten der Lücke eine Verankerung (i.d.R. mit Abstützung) haben. "Schaltprothese" deshalb, weil die ersetzten Kaueinheiten in das bestehende Gebiß "eingeschaltet" sind.
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Scharnierachse
virtuelle Achse, um welche sich die Gelenkköpfe des Unterkiefers bei dessen Öffnung und Schließung drehen. Befindet sich der Unterkiefer im geschlossenen Zustand in einer rückwertigen Position, so erfolgt für die ersten 2 cm der Mundöffnung eine reine Drehbewegung um die S.; bei weiterer Öffnung kommt eine zusätzlich Gleitbewegung hinzu (Kombinationsöffnung).
Man kann die S. mit Hilfe eines sog. Übertragungsbogens am Patienten ermitteln und diese Werte beim Einsetzen der ausgegossenen Abdruckmodelle in einen Artikulator zur individuellen Rekonstruktion der Kiefergelenkssituation zugrunde legen.
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Schaufel
1.) laienhafter Ausdruck für die mittleren oberen Schneidezähne, besonders dann, wenn diese im Verhältnis zu den seitlichen Schneidezähnen überproportional groß sind.
2.) sog. Schaufelzähne als mongolisches Rassemerkmal.
Scherenbiß
man spricht von einem S., wenn die oberen Schneidezähne mehr als ein Drittel die unteren Schneidezähne überbeißen. Fließender Übergang zum sog. Tiefbiß.
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Schichtaufnahme
Begriff aus der Durchleuchtung des Körpers; ==> Panoramaschichtaufnahmeverfahren
Schichttechnik
siehe unter Sandwich-Technik.
schiefe Ebene
kieferorthopädisches oder kieferchirurgisches Hilfsmittel zu Veränderung der Bißlage oder Vorstellen von falsch zusammenbeißenden Schneidezähnen.
Schienung
1.) Begriff aus der Kieferchirurgie zur Behandlung von Kieferbrüchen; die Bruchstücke werden entweder durch über die Zahnreihen greifende Schienen, welche miteinander verschnürt sind, oder durch direkte Verbindung der Knochenstücke (==> Osteosynthese) miteinander verbunden und für den Heilungsprozeß ruhig gestellt.
2.) Begriff aus der Parodontologie zur Blockbildung und Versteifung bei gelockerten oder parodontal durch Zahnersatz stark belasteten Zähnen. Je nach Art der Behandlung und Schwere der Erkrankung unterscheidet man vorübergehende (temporäre) von dauerhaften Schienungen; letztere können herausnehmbar oder festsitzend sein.
3.) Begriff aus der Endodontie zur Stabilisierung einzelner Zähne über den Wurzelkanal im Kieferknochen (sog. Transfixation).
4.) Im Zusammenhang mit Parafunktionen; siehe unter Aufbißschiene.
Schlagpolierer
Polierinstrument in Form und Wirkung eines stumpfen Bohrers zur Verbesserung der Randdichte einer Metallfüllung (Gold, Amalgam).
Schleifen, Beschleifen
laienhaft auch Abschleifen; Begriff aus der Prothetik für die Präparation eines Zahnes zur Krone oder als Brückenpfeiler. Der äußerst harte Zahnschmelz wird mit diamantbeschichteten Schleifkörpern ("Bohrern") und hoher Drehzahl unter Kühlung abgetragen; bei dem darunter liegenden weicheren Dentin wird die Drehzahl verringert und die Kornstärke der Schleifkörper feiner. Anschließend kann noch eine Glättung der Oberfläche ("Finieren") mit rotierenden Instrumenten aus Karborund oder Korund erfolgen.
Schleifkontakt
Bezeichnung für das optimale Aneinanderpassen der Kauflächen der Zähne des Ober- und Unterkiefers. Störungen dieser Beziehung werden versucht, durch Einschleifen zu beseitigen.
Schleiftrauma
==> Präparationstrauma.
Schleim
auch Mucus; zähe, schlüpfrige, muzinhaltige Absonderung der Schleimdrüsen oder schleimbildender Epithelzellen. Bei allen katarrhalischen Entzündungen ist die Schleimbildung als Abwehrmaßnahme vermehrt==> Speichel.
Schleimdrüsen
==> Speicheldrüsen, Schleimhaut.
Schleimhaut, Mukosa
meist Schleim absondernde innere Auskleidung von Hohlorganen, so auch der Mundhöhle. Sie besteht aus einem der jeweiligen Organfunktion angepaßten Epithel. Die Feuchtigkeit ("Schleimigkeit", Muzin) wird entweder durch Absonderungen (Sekretion) der eigenen Epithelzellen oder durch größere Drüsen (==> Speicheldrüsen) erreicht.
Schleimhautresilienz
==> Resilienz.
Schleimhauttransplantat
in der chirurgischen Parodontologie angewandtes Verfahren zur Bedeckung frei liegender Zahnwurzelabschnitte (sog. Gingivarezessionen). Mit einem speziellen "Schleimhauthobel" (Mukotom) wird aus der Gaumen- oder Wangenschleimhaut ein dünnes Stück (< 1mm) entsprechender Größe entnommen und damit der Defekt abgedeckt. Die Heilungsaussichten und die Dauerhaftigkeit dieses Verfahrens werden unterschiedlich beurteilt.
Schleimhautretentionszyste
==> Ranula.
Schleimzyste
Mukozele; fluktuierendes ("hin- und herschwabbelndes") gutartiges, meist erbsgroßes mit Schleim gefülltes Gewächs der Mundschleimhaut und der Kieferhöhle, welches bläulich durch die Mundschleimhaut schimmert. Entstanden durch einen Verschluß der schleimbildenden (Epithel)Drüsen (sog. Retentionszyste), neigt die harmlose S. zu häufigen Rezidiven und muß deshalb vollständig chirurgisch entfernt werden. Befindet sich die S. im Drüsenausführungsgang einer der großen Speicheldrüsen, so spricht man von einer Ranula ("Fröschleinsgeschwulst").
Schliffacetten, Schlifflächen
sichtbare "Abriebspuren" (Abrasionen) auf den Kauflächen der Zähne. Natürlich entstehend bei starken "Kauern" bzw. bei Naturvölkern; krankhaft bei Knirschern und Pressern (Parafunktionen) bzw. bei Zahnfehlstellungen.
Schlittenartikulation
gleichmäßiger, vollständiger Kontakt der Kauflächen von Ober- und Unterkiefer beim Zusammenbiß (Okklusion) und bei der Bewegung gegeneinander als Ausdruck einer vollständigen Abnutzung der Zahnhöcker.
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Schlotterkamm
meist durch schlecht sitzende (dem Kieferkamm nicht exakt anliegende) Vollprothesen auftretender Ab- und Umbau des knöchernen Kieferkammes (Alveolarfortsatz) in eine verschiebliche ("schlotternde") Form. Dieses Krankheitsbild kann durch eine spätere exakte Anpassung der Prothese (z.B. Unterfütterung) nicht mehr rückgängig gemacht werden, sondern muß i.d.R. operiert werden. ==> Alveolarkammplastik
Schmelz
lat. Enamelum; emailleartiger Überzug der Zahnkrone und gleichzeitig härteste im Körper vorkommende Substanz ohne einen Körperstoffwechsel von innen heraus (über die Pulpa des Zahnes). Bedeckt wird der S. bei allen Milchzähnen sowie bei etwa 3/4 der bleibenden Zähne von einer prismenfreien Schmelzschicht. Der von den sog. Adamantoblasten des Schmelzorgans gebildete, dem Zahn seine endgültige Form gebende Mantel in Form von Schmelzprismen besteht zu 97% aus phosphorsauerem Kalk (Hydroxylapatit) und weiteren darin eingelagerten anorganischen Bestandteilen wie Fluor, Kalium, Natrium und Magnesium. Der 1%ige Wasseranteil bewirkt, daß er für wasserlösliche Stoffe (z.B. Fluorid, Kalzium, Phosphat) geringfügig durchlässig ist und so einen eingeschränkten "Stoffwechsel" über den Speichel der Mundhöhle zuläßt.
Eine mechanische Bearbeitung des Schmelzes kann wegen seiner Härte nur mit diamantbeschichteten Bohrern erfolgen. Befindet sich im Gegenbiß einer gesunden Kaufläche Zahnersatz, so ist zu beachten, daß künstliche Zahnflächen aus Edelmetall oder Kunststoff weicher, solche aus Keramik härter als der S. sind.
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Schmelzsprung
bei entsprechender Beleuchtung als feiner, dunkel wirkender, haarfeiner Riß in der Schmelzstruktur erkennbar. Ursache können zum einen Gewalteinwirkungen sein, wie auch Ausdruck von sonstigen Spannungen im Schmelzgefüge. Durch Besiedlung von Bakterien können die S. kariös werden bzw. durch Einlagerung von Farbstoffen aus Nahrungsmitteln sich kosmetisch störend verfärben.
Schmelz-Zement-Grenze
meist gut sichtbare anatomische Trennlinie zwischen der (leicht bläulichen) Zahnkrone und der (gelblichen) Zahnwurzel. Ihr Verlauf ist bei den einzelnen Zähnen unterschiedlich und verläuft im jugendlichen Kiefer in etwa parallel zum Zahnfleischrand.
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Schmerz
die Schmerzempfindung wird durch sog. Schmerzreize ausgelöst, von Schmerzrezeptoren aufgenommen und über sensible Nervenfasern dem Gehirn (Thalamus, Großhirnrinde) zugeleitet. Wenn auch der S. im Volksmund als 'Hüter der Gesundheit' bezeichnet wird, so ist dieses Alarmsignal nicht immer vorhanden, denn es gibt lebensbedrohliche Krankheiten (z.B. Leukämie), die völlig schmerzlos verlaufen können. Allen Schmerzreizen gemeinsam ist eine Gewebeirritation, bei der körpereigene Stoffe (Histamin, Wasserstoffionen, Serotonin usw.) freigesetzt werden, die die Erregung der Schmerzrezeptoren - welche auch bei häufigen Reizungen nicht "abstumpfen" - herbeiführen.
Eine grobe Einteilung des S. erfolgt in den meist gut lokalisierbaren Oberflächenschmerz (z.B. Zahnschmerzen), den ungenau lokalisierbaren, dumpfen Tiefenschmerz (nach Prellungen o. Quetschungen, Kopfschmerz usw.) und den zu Krämpfen neigenden Eingeweideschmerz (Herz, Darm, Gallenblase), sowie in akute und chronische Schmerzzustände. Eine Sonderform stellt der Phantomschmerz dar.
Starke schmerzhafte Vorgänge sind mit vegetativen Begleiterscheinungen verbunden, die sich in Blässe, Schweißausbrüchen, Erweiterung der Pupillen, Blutdruckschwankungen bis hin zum Kollaps äußern können.
Das Schmerzerlebnis kann durch Lernprozesse beeinflußt werden und ist tageszeitlich verschieden. So wird für Zahnbehandlungen ein Mittagstermin von etwa zwei Uhr in der Literatur angegeben, bei welchem der Körper nicht so empfindlich reagiert. Unter besonderen Umständen können Schmerzen an Bedeutung verlieren (z.B. unter lebensbrohenden Umständen) oder stärker als normal empfunden werden. (Erwartungsangst, häufig bedingt durch frühere Erlebnisse).
Daß Schmerzfreiheit u.U. durch Ablenkung, Suggestion, Hypnose und Verabreichung von Placebos erreicht werden kann, deutet darauf hin, daß höhere Zentren der Hirnrinde eine hemmende Wirkung auf den von außen nicht beeinflußbaren Thalamus haben können.
S. lösen gewöhnlich Abwehr-, Agressions- und Fluchtreaktionen aus; abzugrenzen davon ist ein überwiegend lustbetontes Schmerzerlebnis, der als abnorm geltende Masochismus.
Eine Schmerzausschaltung - Anästhesie - kann an den peripheren Schmerzrezeptoren durch Lokalanästhetika (sog. Lokalanästhesie), durch eine Unterbrechung der Schmerzleitung, durch Dämpfung des Schmerzzentrums im Gehirn mittels Analgetika oder (im Extremfall) operative Ausschaltung des Thalamus erfolgen bzw. durch Beeinflussung des Schmerzbewußtsein (Ablenkung, Hypnose, Narkose) herbeigeführt werden.
So können zahnärztliche Behandlungen - bis auf wenige Ausnahmen, vorwiegend bei hochakuten Entzündungen - schmerzfrei unter örtlicher Betäubung ("Spritze") durchgeführt werden. Auch Nachschmerzen nach zahnchirurgischen Eingriffen können meist erfolgreich mit Medikamenten behandelt werden. Hier hat sich bei den 'modernen' Schmerzmitteln besonders das Ibuprofen gut bewährt. Sollte mit normalen Schmerzmitteln kein befriedigender Erfolg erreicht werden, empfehlen Schmerztherapeuten den Einsatz von Opiaten, etwa Codein 30 mg-Tabletten, welche über einen Zeitraum von ~ 4 Std. zuverlässig wirken.
Schmerzausschaltung
==> Schmerzen.
Schmerzensgeld
ein sog. "immaterieller" Schadensersatzanspruch; geldlicher Ausgleich für einen erlittenen - vorsätzlich oder fahrlässig herbeigeführten - Gesundheitsschaden oder einer Verletzung des Freiheitsrechtes. Nach §287 der Zivil-Prozeß-Ordnung setzt ein ordentliches Gericht die Höhe des S. nach freiem Ermessen - z.B. durch Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen (sog. Schmerzensgeldtabellen) - fest. Siehe auch unter Haftung.
Schmierschicht
engl.: Smearlayer; mikroskopisch dünne Schicht aus Blut-, Eiweiß- und Speichelbestandteilen, welche nach der Präparation in der Kavität vorhanden ist. Über die Notwendigkeit einer Entfernung dieses nur agressiven Mitteln zugänglichen Films gibt es unterschiedliche Auffassungen; versch. Präparate bei der Anwendung der Säure-Ätztechnik fordern eine vorherige Entfernung der S. .
Schneidezahn
Schaufel, lat.: dens incisivus; jeweils 4 S. in den Zahnreihen des Ober- und Unterkiefers, sowohl im bleibenden, wie auch im Milchgebiß, stets mit nur einer Zahnwurzel. Die mittleren oberen sind die breitesten, die mittleren unteren die schmalsten aller Frontzähne; dabei ist der Größenunterschied zu den seitlichen S. im Oberkiefer erheblich stärker ausgeprägt als im Unterkiefer. Im normal ausgebildeten Gebiß beißen die oberen S. ca. 1-2 mm über die unteren (==> Frontzahnstufe). Ihrem Zweck - dem Abbeißen von Nahrung - entsprechend, sind die S. von meißel- oder schaufelartiger Form.
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Schock
auch Kollaps; akuter, u.U. lebensbedrohlicher Kreislaufzwischenfall, im Anfangsstadium Zusammenbruch der Durchblutungsregulation der Kreislaufperipherie mit den Folgen eines Sauerstoffmangels und einer Übersäuerung des Gewebes. Im weiteren (unbehandelten) Stadium ist auch der Zusammenbruch des zentralen Kreislaufs möglich. in der ZHK früher häufig als Nebenwirkung bei einer Lokalanästhesie. Der S. wird laienhaft oftmals mit der Ohnmacht (plötzliche Verminderung der Gehirndurchblutung) gleichgesetzt.
Man unterscheidet nach den Entstehungsursachen den:
» anaphylaktischen S. (allergische Komponente)
» kardialer S. (akutes Herzversagen)
» Volumenschock (plötzlicher, hoher Flüssigkeitsverlust des Körpers, meist unfallbedingt)
» hypoglykämischer S. (meist Folge einer schlecht eingestellten Zuckerkrankheit)
Ohne ein akutes Kreislaufgeschehen verlaufend, kennt man noch den psychischen S. (Nervenschock) infolge gravierender, die Psyche stark überfordernder Erlebnisse.
Schreinemakers-Methode
spezielle Methode bei der Abdruck- und Bißnahme für die Anfertigung von Vollprothesen; benannt nach seinem holl. Erfinder.
Schrödersche Lüftung
spezielle, seltene Behandlungsmethode bei einem Eiterherd an der Zahnwurzel. Statt über den Wurzelkanal - wie bei der Trepanation - erfolgt die Druckentlastung chirurgisch direkt an der Wurzelspitze des (akut) entzündeten Zahnes.
Schwalbenschwanzretention, -verankerung
siehe unter Kavitätenpräparation.
Schwangerschaft
siehe dazu eigene Seite.
Schwebebrücke
vorwiegend im Unterkiefer-Seitenzahngebiet vorkommender festsitzender Zahnersatz; siehe unter Basisbrücke.
Schweigepflicht
die Ärzten/Zahnärzten, Apothekern, Rechtsanwälten und Notaren obliegende Pflicht zur Geheimhaltung der ihnen im Amt oder Beruf anvertrauten Daten und persönlichen Gegebenheiten eines Patienten/Mandanten. Dieses Verbot erstreckt sich auch auf die Mitarbeiter(innen) einer Arztpraxis. Bei einem Verstoß gegen gegen die S. - eines der höchsten ärztlichen Gebote - muß nach dem Strafgesetzbuch (STGB) immer von der Staatsanwaltschaft aus ermittelt werden (kein Antragsdelikt!). Folgende Ausnahmen davon bestehen:
» durch schriftliche(!) Entbindung des Patienten,
» durch gerichtliche(!) Befreiung in Gutachterfällen,
» bei gesetzlicher Meldepflicht von Krankheiten,
» wenn eine Wahrnehmung der Interessen des Arztes bei einer Schadensersatzforderung dies rechtfertigt,
» im Umgang mit den gesetzlichen Versicherungsträgern und ärztlichen Körperschaften (genaueres im Sozialgesetzbuch geregelt).
Scutan®
bekanntes Kunststoffmaterial (Polyadditionskunststoff; weitere Materialien sind Protemp®, Trim®) zur Herstellung provisorischer Brücken und Kronen (Provisorium) direkt im Mund. Neben einer Mundverträglichkeit, einer ausreichenden Belastbarkeit und befriedigenden kosmetischen Kriterien darf das Material - da es direkt im Mund auf frisch präparierten Zähnen verarbeitet wird - bei der Polymerisation keine Hitze entwickeln, da sonst der Zahnnerv thermisch geschädigt würde (==> Präparationstrauma).
Zum Vorgehen:
Man nimmt vor der Präparation einen Alginat-Abdruck und füllt diesen - mit entsprechenden Korrekturen versehen - nach dem Beschleifen mit S. auf und setz ihn wieder über die Zahnreihen. Nach temperaturschonender Aushärtung erhält man so ein funktionell und kosmetisch befriedigendes Provisorium in Form der unbeschliffenen Zähne, welches mit einem provisorischen Zement bis zur Fertigstellung der endgültigen Zahnersatzarbeit eingesetzt wird.
Sechsjahrmolar
andere Bezeichnung für den ersten bleibenden Backenzahn (nach dem Zahnschema sind dies die Zähne 16, 26, 36 und 46). Die Bezeichnung stammt daher, daß diese Zähne mit als erste etwa im Alter von 6 Jahren durchbrechen. Auf Grund des relativ frühen Durchbruchs und einer damit verbundenen längeren Aussetzung gegenüber kariogenen Nahrungsmitteln sind die S. scheinbar besonders kariesanfällig.
Seitenkanäle
Verzweigungen des Zahnnervs (Pulpa) zur Wurzelhaut hin (in der Abb. rot eingezeichnet). Die S. sind bei der Wurzelkanalbehandlung nur selten aufzubereiten und stellen so einen potentiellen Mißerfolg für die Erhaltung eines nervtoten Zahnes dar. Liegen die S. in der Nähe der Wurzelspitze, so kann die Wurzel um diese Verzweigungen durch eine Wurzelspitzenresektion gekürzt werden.
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Seitenzähne
Globalbezeichnung für die Molaren und Prämolaren (große u. kleine Backenzähne).
Sekundärdentin
==> Reizdentin oder Caries profunda.
Sekundärkaries
eine an einem Füllungs- o. Kronenrand auftretende Karies. Es kann sich dabei um eine neue Erkrankung oder den verbliebenen Teil einer nicht vollständig entfernten Karies handeln. Die klinisch und röntgenologisch gut zu erkennende Veränderung ist im Gegensatz zum Kariesrezidiv sowohl durch Sehen und Tasten (klinisch), wie auch röntgenologisch schon im Frühstadium gut zu erkennen. Häufigste Ursache für S. sind Fehler bei der Kavitätengestaltung und ein mangelnder Randschluß. Bekannt ist, daß metallene Reparaturmaßnahmen auf Grund einer ständigen, geringen Abgabe von Metallionen zu einer geringeren S. neigen.
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Sensibilitätsprüfung
==> Vitalitätsprüfung, Kältetest.
Sepsis
Blutinfektion; generalisierte Blutvergiftung; Überschwemmung des Blutes mit Eitererregern, meist als Ausdruck einer verminderten Abwehrreaktion.
Sequester
abgestorbener, durch Granulationsgewebe abgegrenztes, demarkiertes Knochenstück häufig bei einer Osteomyelitis auftretend. Der den Sequester umgebende gesunde Knochen wird als Totenlade bezeichnet.
Serotonin
biogene Eiweißverbindung, sog. Neurohormon; kommt besonders in den Nervenzellen des Gehirns und den Endigungen des symp. Nervensystems vor. Verstärkte Freisetzung bei anaphylaktischen Reaktionen und bei Gewebereizungen. Dem S. werden stabilisierende und harmonisierende Eigenschaften nachgesagt.
Sharpeysche Fasern
zur Wurzelhaut (Parodontalligament) gehörende Kollagenfasern. Die in Büscheln angeordneten S. F. sind einerseits mit dem Zement der Zahnwurzel, andererseits mit dem Knochen der Alveole verwachsen (sog. Syndesmose) und federn so den Zahn bei Belastungen elastisch ab. Ohne diese Verbindungskonstruktion 'Zahn-Knochen' würden sich der Alveolarknochen bei Belastung abbauen (sog. Druckresorption).
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Sialolith
==> Speichelstein.
Sicherstellungsauftrag
siehe unter Kassenzahnärztliche Vereinigung.
Sievert
radiologische Maßeinheit, Abk.: Sv; sie hat in der Strahlenschutzmessung die alte Maßeinheit 'Rem' (engl. Abkürzung für Radiation equivalent man; 1Rem= 0,01 Joule/kg = 0,01Sv) nach der Gleichung 1 Sv = 100 R abgelöst.
Silbernitrat
auch Höllenstein; AgNO3; früher gebräuchliches Ätzmittel gegen Warzen und gutartige Zahnfleischwucherungen. Heute noch gelegentlich verwendet zum Desensibilisieren ("Unempfindlich machen") von überempfindlichen Zahnhälsen und als Notbehandlung stark zerstörter Milchzähne bei behandlungsunwilligen Kindern. Wegen einer dauerhaften Schwarzverfärbung (Silberausfällung) der betroffenen Stellen ist nur eine Anwendung im nichtsichtbaren Bereich in Ausnahmefällen indiziert.
Silberstift
==> Wurzelkanalfüllung.
Silikone
chem.: Verknüpfung von Silikonketten mittels Sauerstoffatomen (Si-O-Si Bindung); zu den Elastomeren gehöhrende Abformmaterialien; Unterteilung in die kondensationsvernetzende S. (sog. C-Silikone; von mäßiger Präzision) und die additionsvernetzende S. (sog. A-Silikone). Die letzteren sind äußerst dimensionsstabil (kaum eine Veränderung beim Lagern nach Abdrucknahme) und werden durch Edelmetallkatalysatoren zum Abbinden gebracht. Kontakte zu sog. 'Katalysatorgiften' wie z.B. Latexhandschuhen können zu Abbindestörungen führen. Da das an sich gute Rückstellungsvermögen der Silikone verzögert ist, dürfen diese Abdrücke erst nach 1-3 Stunden mit Modellgips ausgegossen werden.
Sinus
Hohlraum; in der Anatomie mit verschiedener Bedeutung:
» mit Luft angefüllte Hohlräume im Nasenhöhlenbereich, wie die Stirnbein-, Keilbein- oder Kieferhöhle,
» venenartige Blutgefäße der Schädelhöhle,
» Spalten und Räume im lymphatischen System,
» lokale Vergrößerung eines Blutgefäßes.
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Sinusitis
Bezeichnung für eine Entzündung versch. Nasennebenhöhlen, so z.B.:
»
Sinusitis frontalis = Stirnhöhlenentzündung,
» Sinusitis maxillaris = Kieferhöhlenentzündung.
Sinuslift - (Operation)
aus der Implantologie bekannter Begriff für eine Operationstechnik zur Schaffung eines Implantatlagers im Backenzahnbereich des Oberkiefers. Bei einer stark ausgewölbten Kieferhöhle und/oder einem Rückgang des Oberkieferknochens ist nicht genügend natürlicher Knochen zur Verankerung eines Impantates vorhanden. Über einen operativen Zugang zur Kieferhöhle wird zwischen Kieferhöhlenboden und -schleimhaut entweder körpereigener Knochen oder Knochenersatzmaterial gebracht und so ein ausreichend großes Implantatlager geschaffen. Der S. gehöhrt wegen möglicher Kieferhöhlenkomplikationen nicht zu den Standardeingriffen beim Einsetzen künstlicher Zähne.
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Si-plus ®
auf der Wirkung des Ultraschalls beruhende alternative Technik zur Behandlung der Karies. Siehe unter 'unterstützende' Ultraschall-Systeme.
Situationsmodell
auf Grund eines Abdrucks vom Normalzustand des Kiefers hergestelltes Modell zu Dokumentations-, Planungs- und Studienzwecken.
Sofortimplantat
==> Implantat.
Softlaser
Schlagwort für einen niederenergetischen Laser. Impliziert wird mit diesem Ausdruck von Seiten der Anbieter eine schonende Behandlung.
Sonde
eines der zahnärztlichen Instrumente, welches neben dem Mundspiegel und der zahnärtzlichen Pinzette bei keiner Behandlung bzw. Untersuchung fehlen darf. Dieses - auch als 'verlängerter feiner Finger' bezeichnete - Instrument ist in der Standardausführung von seinem Griff weg fast rechtwinklig abgebogen und mit einer feinen Spitze versehen; spez. S. für die Untersuchung von Zahnzwischenräumen sind zusätzlich noch korkenzieherartig gedreht (z.B. Kuhhornsonde). Die S. gilt auch heute noch als das Instrument in der Kariesdiagnostik. Zur Untersuchung von Fistelgängen oder Zahnfleischtaschen können biegsame S. aus Silberdraht benutzt werden (sog. Knopfsonde).
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Sonicsys®
auf der Wirkung des Ultraschalls beruhende alternative Technik zur Behandlung der Karies. Siehe unter 'unterstützende' Ultraschall-Systeme.
Soor
durch Hefepilze der Gattung Candida albicans ausgelöste Pilzerkrankung der Haut oder Schleimhäute. Der normalerweise als 'harmloser' Schmarotzer in der Mundhöhle vorkommende Pilz kann bei geschwächter Abwehrkraft schwere Erkrankungen - bis hin zum tödlichen Ausgang - auslösen. Zu erkennen ist der S. auf der Mundschleimhaut durch einen weißlichen Belag, welcher bei vorsichtigem Abwischen empfindliche, leicht blutende Defekte auslöst.
Sorbit
grch.: Sorbum = Vogelbeere; ein Zuckeralkohol; sog. Zuckeraustauschstoff mit etwa der halben Süßkraft des normalen (Rohr-)Zuckers. Nur gering kariogen, ist S. ein idealer geschmacklicher Ersatz für den kariogenen Zucker, bewirkt aber im Gegensatz zu den Zuckerersatzstoffen keine Reduktion der Kalorienzufuhr. Außerdem ist S. ein Grundstoff bei der Herstellung von Vitamin C.
Sozietät
==> Gemeinschaftspraxis.
Spargold
Schlagwort für eine Edelmetallegierung, bei welcher der Goldanteil aus Kostengründen in der Hauptsache durch Silber und Kupfer ersetzt wird; dabei kann der Goldanteil um unter 50% sinken.
Spee-Kurve, Speesche Kurve
nach dem Kieler Anatom Graf Spee benannte virtuelle Kreislinie um den Mittelpunkt der Augenhöhle, auf welcher bei einer Vorwärts- (Vorschub-) Bewegung die Kauflächen der Unterkieferzähne auf denen der Oberkierzähne gleiten, wenn sie dauernd in Kontakt miteinander bleiben. Nach heutigen Erkenntnissen verläuft diese - besonders für die Statik von Vollprothesen wichtige - Linie wesentlich flacher als von Graf Spee angenommen.
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Speichel, Salvia, Speicheldrüsen
vulgär: 'Spucke', Schleim; ist die Absonderung der Speicheldrüsen; eines der wichtigsten natürlichen Schutzsysteme des menschlichen Körpers. In der Mundschleimhaut befinden sich viele kleine, verstreut liegende Speicheldrüsen, der Hauptspeichel entstammt aber den 3 (paarigen) großen Drüsen (siehe Abb.): Ohrspeicheldrüse (lat.: Glandula parotis), Unterkieferdrüse (lat.: Glandula submandibularis) und Unterzungendrüse (lat.: Glandula sublingualis). Der S. hat neben seiner Hauptfunktion - dem "Gleitfähig machen" der Nahrung - noch eine Reihe anderer Wirkungen; so heißt es im Volksmund (nicht ganz zutreffend, s.u.): "Gut gekaut, ist halb verdaut".
Neben anorganischen Stoffen wie Chloriden, Hydrogencarbonaten (Bestandteile des Zahnsteins), Phosphaten und Rhodankalium (diesem wird eine schwache, bakterienabtötende Wirkung zugeschrieben), enthält er viele organische Bestandteile, welche bei der Verdauung der Nahrung schon im Mund einwirken. Die Menge des täglich erzeugten S. schwankt zwischen einem halben und zwei Litern und entsteht hauptsächlich beim Kauen; sie wird reflektorisch ausgelöst, d.h.: Berührungen von Gegenständen an der Mundschleimhaut, Erblicken oder Erriechen von meist zur Nahrung gehörenden Dingen löst automatisch eine Produktion dieser Flüssigkeit aus.
Die wichtigsten Speichelfunktionen sind:
Regeneration der Zähne:
der Speichel enthält alle chemisch gelösten Mineralbestandteile der Zahngrundsubstanz und regeneriert und repariert so ständig die durch mechanische und chemische Einflüsse angegriffene Zahnoberfläche (eine Art Stoffwechsel). Ist dieses Gleichgewicht gestört, entwickelt sich rasch Karies.
Reinigungsfunktion der Mundhöhle:
Es werden die Reste verkleinerter Nahrung, abgestorbene Mundschleimhautzellen, in Speichel lösliche Substanzen wie Salze und Zucker und bedingt auch Mikroorganismen, welche nicht in den Zahnbelägen (Plaque) fest verwurzelt sind, durch den Schluckakt dem Magen zugeführt.
Pufferung von Säuren:
Der Bikarbonatgehalt des Speichels macht von außen zugeführte Säuren (z.B. Fruchtsäuren aus Obst), wie auch aus Mundhöhlenbakterien stammende Säuren bei entsprechender Menge unschädlich.
Vorverdauung ('Andauung') der Nahrung:
Die im Speichel befindlichen Fermente (z.B. die Amylasen) können besonders unaufbereitete Stärkeprodukte für den Körper verdaulicher machen. Da unsere heutige Nahrung - im Gegensatz zur früheren Entwicklungsgeschichte des Menschen - aber nur noch einen geringen Anteil dieser Substanzen hat, ist diese Verdauungsfunktion von nachgeordneter Bedeutung.
Zahnmedizinisch von Bedeutung ist u.a. die Menge, da der Speichel die durch die Plaque gebildete Säure puffert, der Mineralgehalt bei der Remineralisation der Zahnoberfläche, sein Säuregehalt als Folge der Kohlehydratverdauung und seine Klebrigkeit als wesentlicher Bestandteil der Haftung bei herausnehmbaren Zahnersatz.
Abtötung von Bakterien:
Diese Speichelfunktion, welche bei Tieren gebräuchlich ist ('Auslecken von Wunden'), ist beim Menschen nur schwach ausgeprägt. Hier wird dem Rhodankalium eine gewisse Wirkung zugeschrieben.
Beschichtung der Mundhöhle und der Zähne:
eine äußerst nützlich Speichelfunktion, durch welche viele Fremdstoffe sich nicht an den Zähnen und der Mundhöhle festsetzen und so leichter verschluckt werden können. Dieser Schutzfilm - als das Pellicle bezeichnet - schützt auch die Zähne vor Säuren und freiliegende Zahnhälse vor Schmerzempfindungen.
Prothesenhalt bes. bei Vollprothesenträgern. Der feine, zwischen der Mundschleimhaut und der Prothesenbasis befindliche und mit S. angefüllte Spalt ist von entscheidender Bedeutung für den guten Sitz einer Prothese.
Die Menge des S. ist je nach Körperzustand unterschiedlich:
während des Kauens (hochgerechnet) 21/2 Liter/Tag,
im wachen Körperzustand (ohne Kauen, hochgerechnet) 480ml/Tag,
während des Schlafes (hochgerechnet) 70ml/Tag.
Bei der nur geringen Menge von 0,7 Milliliter S. im Mund wird ein Drang zum Schlucken verspürt. Durch Streß, Medikamente, ärztliche Behandlungen (z.B. Tumorbestrahlungen im Kopfbereich) und Süßigkeiten ändert sich die Menge des S.: sie wird i.d.R. geringer (==> Xerostomie):
Als Streßfolge tritt ein erhöhter Adrenalinspiegel auf, welcher den Speichelfluß hemmt: "jemandem bleibt die Spucke weg",
Viele moderne Medikamente (z.B. Beruhigungsmittel, Herzmittel) haben als Nebenwirkung einen verminderten Speichelfluß,
Tumorbehandlungen mit sog. Zytostatika oder Ganzkörperbestrahlungen bei bösartigen Bluterkrankungen schädigen nicht nur die Immunabwehr, sondern auch die Speicheldrüsen. Während bei der Gabe von Zytostatika nach Monaten wieder eine Regeneration eintritt, ist die Schädigung durch Bestrahlungen i.d.R. bleibend.
Unregelmäßige Ernährung ist meist von einem überhöhten Genuß von Süßigkeiten begleitet ("mal was Kleines zwischendurch"); es tritt eine verstärkte Plaque- und Säurebildung auf welche, da zuwenig dabei gekaut wird, nicht durch den S. kompensiert werden kann.
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Speichelstein
Sialolith; am häufigsten in der Unterkieferspeicheldrüse und ihrem Ausführungsgang vorkommende Konkrementverklumpung aus Kalziumkarbonat oder -phosphat. Ab einer gewissen Größe versperren die S. den Drüsenausführungsgang und führen zu starken Schmerzen und Schwellungen, vornehmlich beim Essen (reflektorischer Speichelfluß). Spätestens dann ist eine kieferchirurgische Entfernung des S. zwingend nötig; bei häufigen Rezidiven u.U. eine Resektion der ganzen Speicheldrüse. Als mögliche Ursachen bei der Entstehung von S. werden kleine Fremdkörper oder eine Veränderung der Zusammensetzung und Menge des Speichelsekrets vermutet.
Speicheltest
Untersuchung des Speichels auf karieserregende Bakterien, seinen Säuregehalt und seine Menge pro Zeiteinheit. Auf Grund dieser Werte lassen sich Voraussagen zum Kariesrisiko machen. ==> Kariestest.
Spinne
auch "Klammerbrücke"; Schlagwort für einen untauglichen herausnehmbaren Zahnersatz. Im Gegensatz zu herkömmlichen partiellen Prothesen befindet sich die S. zur "Komfortverbesserung beim Tragen" nur in einer Kieferhälfte, auf eine zusätzliche Verankerung - und eine dadurch bedingte Vergrößerung des Ersatzstückes - wird bei der S. bewußt verzichtet. Es besteht bei dieser Konstruktion die große Gefahr, daß sich die S. bei lockerem Sitz löst und verschluckt bzw. aspiriert (=eingeatmet) werden kann. Die Spitzen der Befestigungsklammern verhaken sich dann in der Luft- oder Speiseröhre und können zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.
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Spongiosa
das 'schwammartige' Maschenwerk des Knochens.
Spray
Kurzform für ein Gemisch aus Luft und Wasser; gebräuchlich einmal zur Reinigung der Mundhöhle (z.B. nach einer Präparation), zum anderen zur Kühlung bei hochtourigen Bohrinstrumenten. Da der Zahnnerv sehr empfindlich auf Überhitzung mit einem Absterben reagiert, muß der S., welcher sich i.d.R. direkt am Bohrinstrument bedindet und den Bohrerkopf gezielt kühlt, bei Umdrehungen > 10.000/min eingesetzt werden. Empfohlen werden zur wirkungsvollen Kühlung Mengen von midestens 50 ml Wasser pro Minute.
Stahlkrone
hauptsächlich in der Kinderzahnheilkunde angewandte Kronenart zur Versorgung von stark zerstörten Milchzähnen oder zur vorübergehenden (provisorischen) Behandlung bleibender (Backen)Zähne. Zur Anwendung kommen vorgefertigte, anatomisch ausgeformte Kronen, welche dem zerstörten Zahn im Mund aufgepaßt werden.
Stammanästhesie
andere Bezeichnung für Leitungsanästhesie.
Stahlprothese
==> Modellguß.
Staphylokokken
sog. "Eiterbakterien", auch Traubenkokken; kugelförmige ~ 0,8 mµ große grampositive Bakterein, welche im Gegensatz zu den in Kettenform wachsenden Streptokokken einen traubenähnlichen Haufen bilden. Die S. kommen auf der gesunden Haut und Schleimhaut ständig vor, ohne irgendwelchen Schaden anzurichten. Erst Verletzungen der Körperdeckschicht und eine verminderte Abwehrlage des Organismus führen zu entsprechenden Eiterungen (==> 'Dicke Backe', Granulom).
Status
Beschreibung eines gegenwärtigen Zustandes; so stellt der Gebißstatus den gegenwertigen Zustand (S. praesens) der Zähne (Fehlstellungen, Karies, Zahnfleischerkrankungen) dar. Unter einem Röntgenstatus versteht man in der ZHK die röntgenologische Untersuchung aller Zähne.
Steg
Kurzform für eine Verbindungsvorrichtung bei festsitzend-herausnehmbaren Zahnersatz. Zwischen zwei überkronten Zähnen (meist den unteren Eckzähnen, wenn die 4 kleinen Schneidezähne fehlen), befindet sich eine starre Verbindung aus vorgefertigtem stabilen 'Golddraht' oder aus einem gegossenen Zwischenstück, auf welchem die Teilprothese gleichzeitig abgestützt und gehalten wird.
Abb.: Verblockung aller Unterkieferzähne durch Kronen und Stege zur Abstützung und Befestigung einer herausnehmbaren Prothese und zur gleichzeitigen Stabilisierung des Restgebisses.
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Stellungsanomalien
==>Fehlstellungen von Zähnen;
==> Kiefer- und Zahnfehlstellungen auf eigener Seite.
Sterilisation
einen 'Gegenstand von allen vermehrungsfähigen Keimen frei machen'; im Gegensatz zur Desinfektion Abtötung sämtlicher Mikroorganismen einschl. ihrer Dauerformen (Sporen) durch physikalische Verfahren wie Hitze oder ionisierende Strahlen. In der ZHK wird überwiegend eine S. mit gespanntem (d.h. unter Druck stehendem) Wasserdampf 15 Minuten lang bei 121° C in sog. Autoklaven durchgeführt. Durch Erhöhung der Temperatur (bis 141° C) und einer damit verbundenen Steigerung des Dampfdrucks (bis 3 bar) kann die S.-zeit reduziert werden.
Andere Methoden der S., wie Strahlen, Mikrowellen oder Chemikalien, sind wegen der komplizierten Handhabung für die Zahnarztpraxis ohne Bedeutung.
Sterile Instrumente werden in der ZHK bei allen invasiven (chirurgischen) Eingriffen angewandt.
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Stiftkrone
laienhaft als "Stiftzahn" bezeichnete Kronenart, welche bei tief zerstörten Zähnen als 'letzte Rettung' zur Zahnerhaltung Verwendung findet. Der tief zerstörte Zahn wird mit einer Wurzelfüllung versehen. Da die erforderliche Krone mangels Zahnsubstanz keinen Halt findet, wird in die Zahnwurzel ein Metallstift ("Stiftzahn"), eine Metallschraube oder neuerdings Keramik- bzw. Carbonstifte (sog. Stiftaufbauten) gearbeitet, worauf nun die eigentliche Krone einen ausreichenden Halt findet.
Abb.: Stiftkrone mit einem Keramikstift als Verankerung
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Stillen
==> Schwangerschaft.
Still-Syndrom
schwere Verlaufsform einer jugendlichen, chronischen Gelenksentzündung. Bei dieser durch Streptokokken ausgelösten septischen Allgemeininfektion, deren Ursache nicht eindeutig geklärt ist, wird auch eine Verursachung durch Zahnherde diskutiert.
Stillmann-Technik
vertikales Zähneputzen; eine der empfohlenen Zahnbürstmethoden bei Zahnfleischschwund. Es wird über Zahnfleisch und Zähne eine Art "Auswischbewegung" durchgeführt. Die Borsten werden auf dem festen Zahnfleisch (der sog. angewachsenen Gingiva =attached gingiva) angesetzt und dann mit der Bürste eine senkrechte Bewegung in Richtung Kaufläche (bzw. Schneidekante) des Zahnes durchgeführt. Gleichzeitig wird die Bürste leicht um ihre Längsachse vom Zahn weggedreht. Nach Möglichkeit sollten bei diesem Vorgang auch noch kleine Rüttelbewegungen durchgeführt werden.
Selbstverständlich kann mit der S.-T. der Zahnfleischschwund nicht mehr rückgängig gemacht werden; sicher werden damit aber die Folgen des horizontalen 'Schrubbens' (es wird vermutet, daß ein Großteil des Zahnfleischschwundes durch das Hin- und Herschrubben verursacht wird) vermieden.
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Stoma
griech. für Mund.
Stomatitis
Entzündung der Mundschleimhaut (nicht nur des Zahnfleisches, dies bezeichnet man als Gingivitis), meist ausgehend von einer Gingivitis. Als Ursachen kommen mangelnde Mundhygiene oder ein reduzierter Allgemeinzustand (bei Infektionen, Erkrankungen des Immunsystems) in Frage. Man unterscheidet hauptsächlich:
» St. simplex : auch St. catarrhalis, als leichte Form einer Mundschleimhautentzündung; häufig als Begleiterscheinung von fieberhaften Erkrankungen oder mangelnder Mundhygiene, Alkohl- und Nikotinabusus, in der Schwangerschaft, bei Anämien.
» St. (herpetica) aphthosa, auch rezidivierende Stomatitis aphthosa (RSA): Virusinfektion mit kleinen, grauweißlichen von einem hochroten Hof umgebenen Flecken, vorwiegend bei Kindern beim Durchbruch der Milchzähne, aber auch zeitlebens bei Erwachsenen bei Allgemeinerkrankungen und Magen-Darm-Störungen. Die Erkrankung ist häufig lokal äußerst schmerzhaft. Ursachen, die zu einer St. a. führen sind unklar. Gewisse Behandlungserfolge werden mit einem Konzentrat aus Melisseblättern (Lomaherpan®) und dem sog. 'Filmbildner' Polydimethylsiloxan (Simethicon®) erziehlt.
» St. ulcerosa : auch Mundfäule; geschwürig, eitrige Entzündung der Mundschleimhaut, ausgelöst durch Bakterien bei reduziertem Allgemeinzustand des Organismus wie bei Infektionskrankheiten, chronischen Vergiftungen oder Veränderungen des Blutbildes vorkommend. Charakteristisch sind ein unangenehmer Mundgeruch (foetor ex ore) und grün-gelbliche, schmierige Beläge auf der Mundschleimhaut verbunden mit starken Schmerzen, Fieber und vermehrtem Speichelfluß. Häufig tritt auch ein Gewebeverlust der Zahnfleischpapillen auf.
» St. allergica : orale Erscheinung einer Kontaktallergie.
» St. epidemica : auch Maul- und Klauenseuche; Aphtenerkrankung der Klauentiere, die ausnahmsweise auch beim Menschen (Melkerberuf) vorkommt.
» St. diphtherica : mit einer Diphtherie einhergehende Entzündung der Mundschleimhaut und der Mandeln; äußerst ernstes Krankheitsbild.
» St. prothetica : auch Prothesenstomatitis; unter (herausnehmbaren) Zahnersatz auftretende Entzündung der Mundschleimhaut, verursacht durch mangelnde Prothesenhygiene in Kombination mit einer mikroskopisch rauhen Prothesenoberfläche.
Stomatologie
Lehre von den Mundkrankheiten.
Strahlenbelastung, Strahlenexposition
Einwirkung von ionisierender Strahlung (z.B. Röntgenstrahlen) auf biologische Systeme. So nimmt man an, daß eine Durchschnittsperson jährlich (a) einer 'natürlichen' Strahlenbelastung von etwa 170 Millirem (mrm) (=170mrm/a) ausgesetzt ist. Diese Exposition teilt sich etwa wie folgt auf:
» 30 mrm/a durch kosmische Strahlung,
» 50 mrm/a durch Erdstrahlung,
» 30 mrm/a durch sich ständig im Körper befindliche Strahlung,
» 50 mrm/a durch medizinische Anwendungen (der Hauptanteil entfällt auf Bestrahlungen),
» 1 mrm/a durch Atomkraftwerke,
» 9 mrm/a durch sonstige Quellen.
Im Vergleich zu der - unvermeidlichen - jährlichen S. haben hohe Einzeldosen wesentlich negativere Folgen: ist die Einzelbelastung weniger als 100 rm (Achtung: Rem (rm), nicht Millirem (mrm) wie oben bei der jährlichen Belastung angegeben), so ist eine Erholung ohne Therapie die Regel; bei einer Einzeldosis von mehr als 500 rm ist eine Behandlung meist ohne Erfolg; der Organismus stirbt ('verbrennt').
Die Einzelbelastung bei einer Zahnfilmaufnahme beträgt:
» 1,5 mrm auf der Hautoberfläche,
» 0,03 mrm mit Schutzeinrichtung im Bereich der Fortpflanzungsorgane des Patienten,
» 0,06 mrm beim Praxispersonal außerhalb des Kontrollbereiches,
» 0,006 mrm beim Praxispersonal außerhalb des Kontrollbereiches mit Schutzvorrichtung.
Verglichen mit der natürlichen Strahlenbelastung entspricht eine kleine Zahnfilmaufnahme dem gleichen Wert, welchen man nach einem 11/2 stündigen Flug in 10.000 Metern Höhe erhält.
Siehe auch unter Röntgengefährdung.
Strahlenschutz
Abschirmung gegen von außen einwirkende ionisierende Strahlung (Direktstrahlung und sog. Streustrahlung). Dabei hat sich das Element Blei als sehr wirkungsvoll erwiesen: so hat eine Bleischicht von 1mm Dicke den gleichen Effekt wie eine ca. 10 cm starke Ziegelwand. Nach der Röntgenverordnung sind die zu untersuchenden Patienten (Anlegen von Bleischürzen oder Schildern, meist mit einer Stärke zwischen 0,2 und 0,4 mm) und das Praxisteam (Verbot des Aufenthaltes innerhalb des Kontrollbereiches ohne besondere Schutzmaßnahmen) besonders zu schützen.
Siehe auch unter Röntgengefährdung.
Straight-wire-Technik
spez. Form der kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzenden Apparaturen.
Streptococcus mutans
fakultativer Anaerobier; allgemein als der Karieserreger bekannt; Hauptbewohner der Zahnbeläge (Plaque). Dieses Bakterium hat eine einzigartige Kombination an Fähigkeiten: es kann sich an völlig glatten Oberflächen (z.B. dem Zahnschmelz) durch Produktion von klebrigem 'Eigenzucker' anheften und kleine Kolonien bilden; es produziert große Mengen an Säure mit sehr niedrigem pH-Wert (= sehr aggressiv); spaltet Kohlenhydrat-Eiweiß-Verbindungen, wie sie im Speichel reichlich vorkommen, in komplexe Kohlenhydrate.
Viele schädliche Mundhöhlenbakterien haben nur eine dieser Eigenschaften: so kann z.B. das Milchsäurebakterium auch viel aggressive Säure bilden, sich aber nicht an glatten Zahnoberflächen anheften.
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Streptokokken, Kettenkokken
kugelförmige, nach einer Richtung des Raumes sich teilende, grampositive Bakterien, welche im Gegensatz zu den traubenförmig wachsenden Staphylokokken in perlenschnurförmigen Ketten aneinanderhängen. Viele der S. sind reine Krankheitserreger und Eiterbildner (z.B. der 'Karieserreger' S. mutans), andere unentbehrlich für die menschl. Verdauung (z.B. Milchsäurebakterien).
Stufe
zahnärtzlicher Begriff aus der Präparationstechnik; im Gebiet des Zahnfleischrandes wird der bearbeitete Zahn (sog. Zahnstumpf) bei einer Füllung oder Krone mit einer S. (siehe Abb.) versehen, um z.B. eine Füllung statisch optimal abzustützen und/oder - wie bei einer Krone - diese Zahnersatzarbeit nicht breiter als den Zahn selbst zu gestalten (sog. Stufenpräparation). Von der Technik her stellt die Stufenpräparation den höchsten Aufwand beim Bearbeiten eines Zahnes dar, allerdings bedeutet sie für den Zahn im Vergleich zu anderen Präparationsarten auch den höchsten Substanzverlust. Aus diesem Grund sind bei jugendlichen Patienten - wegen der noch bestehenden Größe des Zahnnerves - S. häufig anatomisch nicht möglich ohne die Pulpa nachhaltig zu schädigen.
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Stützzone
die prothetische S. (siehe Abb.) wird gebildet aus den großen und kleinen Backenzähnen beider Kiefer. Der Begriff leitet sich von einer Abstützung des Zusammenbisses ab. Bei einer fehlenden S. nähert sich der Unterkiefer unverhältnismäßig zum Oberkiefer hin, da die Schneidezähne beider Kiefer sich nicht abstützen können und deshalb aneinander vorbeigleiten.
Unter einer kieferorthopädischen S. versteht man das Gebiet hinter dem seitlichen Schneidezahn bis vor den 1. großen Backenzahn (sog. 6 Jahr Molar).
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subakut
nicht so heftiger, weniger ausgeprägter Krankheitsverlauf.
subgingival
unterhalb des Zahnfleischsaumes; in der Zahnfleischtasche befindlich. Siehe auch unter dem Gegenteil von s.: supragingival.
subgingivaler Zahnstein
wissenschaftlich überholte Bezeichnung für Konkremente; siehe auch unter Zahnstein.
subkutan
direkt unter die Haut; siehe unter perkutan.
sublingual
unter der Zunge befindlich, gelegen.
Sublingualbügel
Begriff bei herausnehmbaren Unterkiefer-Zahnersatz; siehe unter Unterzungenbügel.
submandibular
unter dem Unterkiefer befindlich, gelegen.
submukös
direkt unter die Schleimhaut; siehe unter permukös.
Sulkus
auch lat. Sulcus; rinförmige Furche des Zahnfleisches um den Zahn herum; gebildet durch das äußere Saumepithel und den sog. Epithelansatz; gelegentlich auch als 'physiologische Zahnfleischtasche' bezeichnet. Graphische Darstellung siehe unter Saumepithel und dentogingivaler Verschluß.
Sulkusflüssigkeit
fast farblose Blutflüssigkeit, welche aus dem inneren Saumepithel in den Sulkus diffundiert. Mit speziellen Meßmethoden läßt sich die Menge der S. bestimmen und durch die gemessene Größe eine Aussage über den Entzündungszustand des Zahnfleisches machen. Außerdem kann eine bakteriologische Untersuchung der S. zur Keimbestimmung der Zahnfleischtasche dienen.
Superfloss ®
spezielle Art von Zahnseide.
supragingival
oberhalb des Zahnfleischsaumes befindlich, gelegen; Gegenteil davon ist subgingival. Diese beiden Begriffe werden häufig im Zusammenhang mit Konkrementen und Zahnstein benutzt.
Suprarenin
siehe unter Adrenalin.
Suprakonstruktion
Begriff aus der Implantologie bei der Versorgung mit Zahnersatz, welcher auf künstlichen Pfeilern (Implantaten) befestigt ist.
Sutura
lat. für Naht; verstanden wird darunter entweder eine S. zum Zusammenfügen von Wunden in der Kieferchirurgie oder eine anatomische Verbindungstelle zwischen zwei Schädelknochen.
symptomatische Therapie
Behandlung einer Erkrankung nur nach ihren Symptomen; z.B. Behandlung von Zahnschmerzen nur mit Schmerztabletten, statt die schmerzverursachende Karies zu entfernen und den Zahn mit einer Füllung zu versorgen.
Synalgie
Mitempfindung von Schmerzen in einem anderen Körperteil, welcher an sich gesund ist; so treten im Kieferbereich hin und wieder Schmerzen z.B. im Unterkiefer auf, obwohl sich die schmerzverursachende Erkrankung im Oberkiefer befindet.
Syndrom
grch. für Zusammenlauf; sog. Symptomkomplex, d.h. Kombination für ein Krankheitsbild typischer Erkrankungszeichen, welche untereinander nicht einen Bezug haben müssen. Häufig werden Syndromerkrankungen nach ihrem medizinischen Entdecker benannt.
systematische Zahnfleischbehandlung
Begriff aus der Parodontologie für eine umfassende Behandlung des erkrankten Zahnhalteapparates mit dem Ziel eines entzündungsfreien Zahnhalteapparates oder - dies ist nur selten möglich - dem völligen Ausheilen der Erkrankung (= parodontale Regeneration). Die s. Z. gliedert sich in folgende Abschnitte auf:
» Initialbehandlung: Unterweisung des Patienten zu richtiger Mundhygiene; Abklärung, ob eine Bereitschaft auf Dauer (Motivation) zu einer besseren Mundhygiene besteht; Beseitigung lokaler Reize (z.B. Entfernung von Zahnstein, provisorische Korrektur schlecht sitzenden Zahnersatzes); lokale Schmerzbehandlung mit örtlichen Medikamenten (meist Salben, z.B. Dontisolon®).
» gründliche Befunderhebung: mit Kiefermodellen (Situationsmodell), ausführlicher Parontalstatus (Messung der Taschentiefe und der Blutungsneigung), Röntgenstatus mit besonderer Darstellung der knöchernen Anteile des Parodontiums; Abklärung, welche Zähne (noch) erhaltungswürdig sind.
» eigentliche Behandlung: untergliedert in kleinere parodontalchirurgische Eingriffe (Kürettage, Scaling usw.) und größere chirurgische Eingriffe (Lappenoperation, gesteuerte Zahnfleischregeneration usw.).
» Erhaltungstherapie: Versorgung von Zahnlücken, Erneuerung von schlecht sitzendem Zahnersatz, evtl. Schienung von Zähnen. Regelmäßige Einbestellung des Patienten zu Kontrolluntersuchungen (= Recall).
Süßstoffe
==> Zuckerersatzstoffe.
andere Lexikonseiten: Index A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Z Zahnaufbau































