Zahnärztliches Lexikon P
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Paget-Krankheit
ekzemähnliche Hautveränderung hauptsächlich im Brustbereich, aber auch in der Mundhöhle vorkommend. Muß operativ entfernt werden, da sie bösartig entarten kann.
palatinal
den Gaumen betreffend; Lagebezeichnung für gaumenwärts, zum Gaumen hin. ==> Zahnflächen
Palatum
lat. Ausdruck für den Gaumen; man unterscheidet den harten vorderen (Palatum durum) und weichen hinteren Gaumen (Palatum molle).
Palladium
sehr hartes, silbrig-weißes Edelmetall. Wegen einer Steigerung der Korrosions-, Anlauf- und Mundbeständigkeit häufiger (geringer) Bestandteil von Legierungen für Zahnersatz. Palladium-Basislegierungen (Hauptbestandteil ist dabei P.) erfüllen die Voraussetzung an eine verträgliche Legierung nicht mehr; es wird erwogen, diesen Werkstoff vom Markt zu nehmen.
Palliag®
Handelsname; früher für festsitzenden Zahnersatz gebrauchte Silber-Palladium-Legierung ('Sparmetall'); die Verwendung ist heute wegen möglicher Gesundheitsrisiken umstritten.
palliativ
medizinischer Begriff für 'eine Krankheit lindernd', ohne sie von der Ursache her zu behandeln (z.B. eine Tumorbehandlung im Spätstadium).
Palpation
das Betasten eines Körperteils bei einer ärztlichen Untersuchung.
Panoramaröntgenaufnahme, Panoramaschichtaufnahme
auch nach einem der Gerätehersteller kurz als 'Orthopan' bezeichnet; extraorale (außerhalb des Mundes) durchgeführte zahnärztliche Röntgenaufnahme, welche die Zähne, den Kiefer und die angrenzenden Gebiete des Schädels möglichst überlagerungsfrei (orthoradial) darstellt. Dies geht i.d.R. auf Kosten der Detailgenauigkeit, welche nur mit intraoralen Aufnahmen, den sog. 'Zahnfilmen' möglich ist. Die Ganzkörper-Strahlenbelastung ist bei der P. - bedingt durch technisch mögliche effektivere Verstärkerfolien - nur etwa ein Drittel so hoch, wie bei einer einzelnen kleinen Zahnfilmaufnahme.
Abb.: P. eines jugendlichen Patienten mit noch nicht durchgebrochenen Weisheitszähnen.
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Pantographie
außerhalb des Mundes durchgeführte Aufzeichnung der horizontalen und vertikalen Bewegungen des Kiefergelenks sowie der Eckzahnbewegungen mittels eines Gesichtsbogens. Diese Aufzeichnung dient später zur Reproduktion der Unterkieferbewegungen in einem Artikulator.
Papille
in der ZHK gebräuchliche Abkürzung für die Interdentalpapille.
Papillenblutungsindex
Meßverfahren zur möglichst objektiven Bestimmung des Grades einer Zahnfleischerkrankung. Man berührt die Papille unter leichtem Druck mit einer Sonde und nimmt den daraus resultierenden Grad der Blutung als Meßzahl; Grad 0 = keine Blutung bis Grad 4 = rasche, kräftige Blutung. Addiert man alle Grade zusammen und teilt sie durch die Anzahl der untersuchten Papillen, so ergibt sich der P..
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para-
griech. Vorsilbe mit mannigfacher Bedeutung:
neben, bei; hin; darüber hinaus; gegen, entgegen; abweichend von; außer, außerhalb; entlang.
Paradentium
heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für Parodontium.
Paraformaldehyd
in 30-50%iger Konzentration früher gebrauchte Paste (z.B. Toxavit®) zur Abtötung (Devitalisation) des Zahnnervs. Heute obsolete Methode der Abtötung und nur noch auf die Fälle beschränkt, bei denen eine Schmerzbehandlung nicht anders möglich ist (z.B. in der Notfallbehandlung, Kinderzahnheilkunde).
Allgemein findet P. in wässriger Lösung Anwendung als gut wirkendes Desinfektionsmittel im Großflächenbereich (z.B. Krankenhäusern). Dem P. wird ein karzinogenes Potential nachgesagt.
Parafunktion
nicht natürliche Funktion des Kausystems wie z.B. Pressen, Knirschen, Lippen- u. Wangenbeißen, Bleistift- u. Nägelkauen meist als Folge psychischer Belastung. Diese auch 'Habits' genannten und dem Patienten nicht bewußt werdenden 'Unarten' können im parodontal vorgeschädigtem Gebiß schwere Schäden bis hin zum Zahnverlust anrichten, oder sind selbst für eine Parodontalerkrankung mitverantwortlich. Im gesunden Gebiß sind die P. deutlich an den Abrasionen der Okklusalflächen (Kauflächen) der Zähne zu erkennen. Behandlung zahnärztlicherseits durch Aufbißschienen; eine Ursachenausschaltung der psychischen Belastung ist für den Dauererfolg unabdingbar.
Paralgesie
Fehlfunktion der natürlichen Schmerzempfindung: normalerweise als Schmerz empfundene Reizungen lösen ein "angenehmes" Gefühl aus.
Paralleltechnik
spezielle, meist mit einem Filmhalter durchgeführte Röntgentechnik zur Darstellung größengleicher Verhältnisse zwischen dem Zahn und seinem Bild auf dem Zahnfilm. Der Röntgenfilm ist bei der P. mittels Filmhalter parallel zur Längsachse des Zahnes ausgerichtet, der Röntgenstrahl tritt senkrecht darauf auf. Da eine P. manchmal aus anatomischen Gründen nicht möglich ist (Platzmangel für den Film im Mund), wendet man in diesen Fällen die sog. Rechtwinkeltechnik oder besser die Winkelhalbierungstechnik an.
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Paramolar
überzähliger, meist im Oberkiefer wangenwärts vom eigentlichen Backenzahn gelegener Zahn. Der P. kann auch mit einem Backenzahn verwachsen sein. Da in dem Gebiet um den P. keine natürliche Reinigung stattfindet und ein Zähneputzen erschwert bis unmöglich ist, werden die P. meist entfernt.
Paraplasie
Fehl-, Mißbildung.
parapulpär
Lagebezeichnung für: neben der Pulpa (Zahnnerv) gelegen, befindlich.
parapulpäre Stifte, Schrauben
auch engl. Pin genannt; Hilfsmittel, um einem künstlichen Aufbau eines tief zerstörten Zahnes den nötigen Halt zu geben. Die Stifte werden durch genormte Bohrer in das Dentin eingebracht (TMS-System); Vorsicht ist dabei geboten, damit die Stifte nicht mit ihrer Spitze in die Pulpa (Zahnnerv) gelangen, da dies fast immer zu Entzündungen führt.
Abb.: transparente Darstellung von zwei Schraubenaufbauten.
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Parästhesie
als Mißempfindung wahrgenommene Sensibilitätsstörung (Kribbeln, Pelzigsein, Ameisenlaufen, Einschlafen der Glieder) zum Teil mit Schmerzcharakter als Folge von Nerverkrankungen oder Durchblutungsstörungen. In der ZHK können P. in seltenen Fällen als Folge von Operationen auftreten.
Parese
unvollständige Lähmung von Muskeln; z.B. bei der Fazialisparese.
parodontal, paradental
das Parodontium, den Zahnhalteapparat betreffend.
parodontale Regeneration
Regeneration, Wiederherstellung des Aufbaus und der Funktion des Parodontiums, z.B. durch chirurgisches Einbringen von Knochenersatzmaterialien oder Flüssigkeiten bzw. Gelen und/oder gesteuerter Geweberegeneration (GTR) mittels Membranen (resorbierbar / nicht resorbierbar) zur Beseitigung von tiefen Zahnfleisch- und Knochentaschen (==> new attachment). Wenn auch bisher ermutigende Einzelergebnisse vorliegen, so bleibt die echte Regeneration z.Zt. noch ein Wunschtraum. An Scharlatanerie grenzen Behauptungen, eine p. R. durch Medikamente (z.B. Frischzellen) zu erreichen. Eine erfolgreiche systematische Parodontalbehandlung bewirkt aber eine relative p. R., d.h. sie erreicht wieder gesunde parodontale Verhältnisse auf einem niedrigerem Niveau, welche bei einer guten parodontalen Mundhygiene des Patienten über viele Jahre Bestand haben können.
Parodontalabszeß
Zahnfleischtaschenabszeß als Folge von tiefen, infizierten Zahnfleischtaschen. Kann äußerst schmerzhaft sein. Wenn keine Behandlung (i.d.R. durch Inzision) des P. erfolgt, entleert sich dieser spontan unter Beschwerdefreiheit in die Mundhöhle.
Parodontalbehandlung, -therapie
komplexe Maßnahmen zur Behandlung des erkrankten Zahnhalteapparates (==> systematische Parodontalbehandlung). Siehe auch auf eigener Seite unter Zahnfleischerkrankungen.
Parodontalsonde
spezielle, an der Spitze abgerundete Sonde mit integrierter Meßskala (= Parodontometer) zur Bestimmung der Zahnfleischtaschentiefe und deren Grad der Entzündung (z.B. der Blutungsneigung). Zur Anwendung s.u. professionelle Diagnostik.
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Parodontalspalt
auch Periodontalspalt oder Desmodontalspalt; gelenkartiger Spalt zwischen der Alveole und der Zahnwurzel. Die Zahnwurzel ist mit dem Kieferknochen nicht fest verwachsen, sondern in diesem mittels im P. befindlicher Fasern 'elastisch' aufgehängt, um die von außen auf den Zahn einwirkenden Kräfte federnd auf die Alveole zu übertragen. Bei entzündlichen Prozessen oder Überbelastungen eines Zahnes ist der P. röntgenologisch sichtbar verbreitert. ==> Wurzelhaut.
Parodontalstatus
vor Beginn einer systematischen Parodontalbehandlung vorgeschriebene Befunderhebung des gesamten Zahnhalteapparates kombiniert mit der geplanten Therapie.
Parodontitis
entzündlicher Schwund des Parodontiums (Zahnhalteapparat). Ausführliche Darstellung auf eigener Seite unter Zahnfleischerkrankungen.
Parodontitis apicalis
akute oder chronische Entzündung um die Wurzelspitze eines Zahnes herum, meist als Folge eines nervtoten Zahnes oder durch übergestopfte Wurzelfüllmaterialien. Die akute P.a. kann starke Schmerzen verursachen und bei Nichtbehandlung die sog. 'Dicke Backe' verursachen. Gelegentlich kann die P.a. auch zu einer Fistelbildung führen oder zu einer Wurzelzyste entarten. Auf dem Röntgenbild sieht man einen etwa erbsgroßen schwarzen Fleck (sog.'Aufhellung'). Eine Behandlung der P.a. erfolgt i.d.R. durch eine Trepanation mit anschließender Wurzelkanalbehandlung (äußerst selten durch eine Schrödersche Lüftung), oder im 'einfachsten Fall' durch eine Entfernung des Zahnes.
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Parodontitis interradicularis
entzündliche Zerstörung bei mehrwurzligen (Backen-) Zähnen des Gebietes, welches zwischen den Wurzeln (Bifurkation bei zweiwurzligen, Trifurkation bei dreiwurzligen Zähnen) liegt. Ursache kann eine Parodontitis apicalis o. marginalis sein. Da das entzündete Gebiet einer Reinigung nur schwer zugänglich ist, ist die Erhaltung des Zahnes durch spezielle Methoden zwar möglich, aber von ungünstiger Prognose.
Parodontitis marginalis
Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates mit Bildung einer krankhaften Zahnfleischtasche, fast immer durch Zahnbeläge verursacht. Der Parodontitis geht eine Gingivitis voraus. Ausführliche Darstellung auf eigener Seite unter Zahnfleischerkrankungen. Siehe auch unter dentogingivaler Verschluß.
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Parodontium
Zahnbett, Zahnhalteapparat; ein funktionelles System, das aus Zahnfleisch, Zahnwurzelhaut und Alveolarknochen besteht. Es umfaßt alle Gewebe, welche den Zahn ernähren, im Kiefer festhalten und bei Belastung abfedern.
Siehe auch unter Alveolarfortsatz, dentogingivaler Verschluß, Epithelansatz, Saumepithel, Sharpey'sche Fasern, Sulcus, Wurzelhaut.
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Parodontologie
Lehre vom Parodontium (s.o.), dessen Erkrankungen und deren Behandlung. Ausführliche Darstellung auf eigener Seite unter Zahnfleischerkrankungen.
Parodontolyse
besonders rasche Verlaufsform einer Erkrankung des Parodontium (s.o.), besonders des Alveolarknochens.
Parodontopathien
Oberbegriff für alle Erkrankungen des Parodontiums, wobei i.d.R. damit die marginalen Parodontopathien gemeint sind. Nach der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie unterscheidet man 5 versch. Ursachen einer P., wobei die erste Form (neben der 'natürlichen' 5.) die am meisten verbreiteste ist:
1.) Entzündliche Formen (Gingivitis, marginale Parodontitis),
2.) Erscheinungsformen von Allgemeinerkrankungen (z.B. Störungen des Hormonstoffwechsels, Zuckerkrankheit, Mangelernährung),
3.) Zahnfleischwucherungen (Hyperplasien, Epulis),
4.) verletzungsbedingte Erkrankungen durch äußere Gewalt auf den Zahn oder seinen Halteapparat,
5.) funktions- oder altersbedingter Rückgang des Zahnhalteapparates.
Ausführliche Darstellung auf eigener Seite unter Zahnfleischerkrankungen.
Parodontose
früher: Paradentose; laienhaftes Schlagwort für lockere Zähne mit freiliegenden Zahnhälsen. Korrekt ist es nur vergleichbar mit dem alters- oder funktionsbedingten Rückgang (s.o.) des Zahnhalteapparates. Ausführliche Darstellung auf eigener Seite unter Zahnfleischerkrankungen.
Parodontosebehandlung
Behandlung des erkrankten Parodontiums; i.d.R. vollständige Kostenübernahme der Grundbehandlung durch alle gesetzlichen Krankenkassen. Die Behandlungsarten sind äußerst vielfältig. Ausführliche Darstellung auf eigener Seite unter Zahnfleischerkrankungsbehandlungen. Voraussetzung zur P. ist bei den gesetzlichen Krankenkassen ein genehmigungspflichtiger Parodontalstatus.
Parotis
Kurzform für Glandula Parotis: Ohrspeicheldrüse. Ihre Entzündung (z.B. bei der Mumps) nennt man Parotitis.
Partsch
bekannter Kieferchirurg; nach ihm sind besonders die Operationsmethoden bei der Kieferzystenbehandlung benannt.
partiell
teilweise, zum Teil.
partieller Zahnersatz, partielle Prothese
siehe unter Teilprothese.
Parulis
besser unter "Dicker Backe" bekannte Schwellung im Kiefer- Wangenbereich, meist von einer akuten Entzündung der Zahnwurzel, seltener einer Zahnfleischtasche ausgehend. Die von einer Zahnwurzel ausgehende Entzündung hat den Knochen bzw. das Periost (unter Schmerzen) durchbrochen und kann sich nun in den umgebenden Weichgeweben ausbreiten.
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pathogen
eine Krankheit erzeugend.
Pathologie
Krankheitslehre und Krankheitsforschung.
pathologisch
krankhaft.
Patrize
Ergänzungsteil zur Matrize.
==> Geschiebe.
PB
in der Kieferorthopädie gebräuchliche Maßzahl für eine Prämolarenbreite. Die oberen Prämolaren haben eine Breite von etwa 6,5 mm, die unteren sind geringfügig breiter.
PBI
Abkürzung für Papillenblutungsindex, einer Meßzahl zur Bestimmung der Schwere einer Zahnfleischerkrankung.
Pelikan
ein in der mittelalterlichen Zahnheilkunde gebräuchliches Kralleninstrument zur Entfernung von Zähnen und Zahnwurzeln.
Pellet
Kügelchen.
Pellicle
engl. Fachausdruck für das aus dem Speichel gebildete, ca 1µ starke sog. 'Schmelzoberhäutchen'. Dieser Film ist ein Schutz vor Säureangriffen auf den Zahn, wird aber durch zu starkes (zu hoher Druck) Zähneputzen oder häufiger Zufuhr von Säuren zerstört. Auch bei einer Produktion von zuwenig Speichel (Xerostomie) bildet sich nur ein unvollständiges P.. Besonders empfindlich reagieren freiliegende Zahnhälse auf ein Fehlen des P., da ohne den schützenden Film die Dentinkanälchen offen liegen und die sich in ihnen befindlichen feinen Nervenendigungen des Zahnnerves chemischen und thermischen Einflüssen schutzlos ausgeliefert sind.
Pemphigus
Blasenausschlag; Sammelbezeichnung für Hauterkrankungen meist ungeklärter Ursache, die mit Blasenbildung einhergehen. Beginnt häufig an den Schleimhäuten und ist von starkem Speichelfluß begleitet. Der P. wird den Autoimmunkrankheiten zugeordnet.
Penicillin, Penizillin
durch den Schimmelpilz Penicillinum notatum gebildetes, am meisten eingesetztes Antibiotikum; 1929 vom Nobelpreisträger Flemming entdeckt; 1940 erste Therapien. Standardantibiotikum in der ZHK.
Penicillinallergie
bei ca. 8% der Patienten bekannte Unverträglichkeit (Allergie) gegen dieses Antibiotikum. Erscheinungsbilder der P. können leichter Hautausschlag, sog. Nesselfieber, bis hin zum schweren, lebensbedrohlichen anaphylaktischem Schock sein. Wegen der Vielzahl und chemischen Verschiedenheit der Antibiotika kann bei bekannter P. heute problemlos auf andere Medikamente ausgewichen werden.
Perforation
Durchbohren, Durchlöchern; hauptsächlich in der ZHK beim Aufbereiten der Wurzelkanäle vorkommendes, manchmal nicht zu vermeidendes Mißgeschick, besonders bei abgekrümmten Wurzeln oder schwer zugänglichen Wurzelkanälen: es wird nicht der Wurzelkanal selbst aufbereitet, sondern das Aufbereitungsinstrument durchstößt die Zahnwurzel (Fausseroute) und gelangt in den umgebenden Kieferknochen. Häufig ist ein Zahn nach einer P. nicht mehr zu erhalten.
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Pergamentknittern
siehe unter Zyste.
periapikal
Lagebezeichnung: die Wurzelspitze umgebend; um die Wurzelspitze herum.
Perikoronitis
Zahnfleischentzündung um die Krone eines noch nicht vollständig durchgebrochenen Zahnes herum.
perimandibulär
Lagebezeichnung: den Unterkiefer(rand) umgebend; um den Unterkieferrand herum.
Periodontal-disease-rate-index, PDS-Index
aus dem angelsächsischem stammende Meßzahl zur Bestimmung des Grades der Parodontalerkrankungen einer Bevölkerung: in Relation werden die parodontal erkrankten Zähne zur Gesamtzahl der untersuchten Zähne gestellt.
Periodontalspalt
siehe unter Parodontalspalt.
Periodontitis
überholte Bezeichnung für Parodontitis.
Periodontium
überholte Bezeichnung für Parodontium.
Periodontopathien
überholte Bezeichnung für Parodontopathien.
Periost
Knochenhaut; stark mit Blutgefäßen und Nerven versehenes Gewebe. Ist das äußere Gewebe des Knochens und versorgt große Teile davon mit Nährstoffen. Da im Inneren des Knochens selten spezifische Knochennerven anzutreffen sind, bereiten z.B. eitrige Kieferknochenprozesse (Granulom) erst dann Schmerzen, wenn sie zum P. hin durchbrechen (Periostitis). Siehe auch unter Parulis.
Periostat®
angebliche "Wunderpille" gegen Zahnfleischerkrankungen; ==> Doxycyclin
Periotest®
Spitzname: "Tübinger Specht"; Gerät zum Messen der Festigkeit von Zähnen im Alveolarknochen. Es werden kurze, dosierte Schläge senkrecht auf die Zahnkrone abgegeben und deren Zurückweichen elektronisch registriert.
Peripac®
eugenolfreier Zahnfleischverband, welcher unter Speichelzutritt aushärtet.
peripher
Lagebezeichnung für außerhalb liegend, am Rande befindlich.
Peripilastrium
Weichgewebe, welches ein Implantat umgibt und bei idealer Einheilung des Implantates vom P. bewachsen o. durchwachsen wird.
Perkussion
Beklopfen eines Zahnes sowohl von oben, wie von der Seite zur Diagnose. Auf Grund des sog. 'Klopfschalles' sowie evtl. auftretender Klopfschmerzen lassen sich für den Fachmann Rückschlüsse auf den Zustand des Zahnhalteapparates und etwaige Erkrankungen im Wurzelbereich (z.B. eitrige Prozesse) ziehen.
perkutan
im Zusammenhang mit Injektionen von Medikamenten gebrauchter Ausdruck : durch die Haut hindurch; im Gegensatz zu 'subkutan' = direkt unter die Haut (in die der Haut folgende Bindegewebsschicht).
perlingual
im Zusammenhang mit der Aufnahme (Resorption) eines Medikamentes gebraucht: statt den Stoff zu schlucken o. zu injizieren, wird das Medikament unter die Zunge gelegt und wegen der guten Durchblutung in dieser Region vom Körper relativ gut aufgenommen.
permanentes Gebiß, permanente Zähne
bleibendes Gebiß o. Zähne, im Gegensatz zu temporär (Milchgebiß, Milchzähne).
permukös
im Zusammenhang mit Injektionen von Medikamenten gebrauchter Ausdruck : durch die Schleimhaut hindurch; im Gegensatz zu 'submukös' = direkt unter die Schleimhaut (in die der Schleimhaut folgende Bindegewebsschicht).
peroral
im Zusammenhang mit der Aufnahme (Resorption) eines Medikamentes gebraucht: statt den Stoff zu schlucken o. zu injizieren, wird das Medikament gelutscht und so vom Körper resorbiert.
per primam, per secundam
Begriffe aus dem Bereich der Wundheilung:
per primam: direkte, glatte, komplikationslose Wundheilung (z.B. nach chirurgischen Eingriffen durch exaktes Vernähen der Wundränder),
per secundam: sog. 'Sekundärheilung'; d.h. die Wunde heilt über die Bildung von Granulationsgewebe aus der Tiefe heraus.
Persistenz, persistieren
verharren, erhalten bleiben eines Zustandes; so versteht man z.B. unter einem persistierendem Milchzahn einen Zustand, in welchem sich der Milchzahn noch im Kiefer befindet, obwohl er auf Grund des Alters schon längst durch den entsprechenden bleibenden Zahn ersetzt sein sollte (dies geschieht meist bei Nichtanlage des bleibenden Zahnes).
Pfeilerzahn
Begriff aus der zahnärztlichen Prothetik: einer derjenigen Zähne, auf welchem beim Zahnersatz eine Brücke befestigt ist.
Pfeilklammer
kieferorthopädische Klammerart, welche zum Halten des Behandlungsapparates dient; diese pfeilförmig gebogene Klammer greift zum Halten in die Zahnzwischenräume. Wegen einer möglichen Schädigung der Interdentalpapille nicht als Dauerklammer geeignet.
Phänotyp, Phänotypus
das Erscheinungsbild eines Individuums, welches sich durch das Zusammenwirken von Erbanlagen und Umwelteinflüssen ergibt.
Phantom, Phantomkopf
weitgehend echte Nachbildung von Körperteilen zu medizinischen Lehrzwecken. So üben z.B. in der Zahnheilkunde die Studierenden zuerst an Phantomköpfen mit eingeschraubten Zähnen die einzelnen Behandlungsabläufe.
Phantomschmerz
nervlich bedingte Fehlmeldung; so werden z.B. Schmerzen an nicht mehr vorhandenen Zähnen geäußert; die Entstehung des P. ist unklar. Diskutiert wird ein Modell, wonach der den P. zeigende Zahn bei seinem früheren Vorhandensein schon starke Schmerzen verursacht hat, bevor er entfernt wurde. Dieses Schmerzmuster wurde dann im Gehirn nicht vollständig gelöscht.
Pharmakologie
Arzneimittellehre; Lehre von der Wirkung chemischer Substanzen auf Lebewesen.
Pharmakon
Arzneimittel, Wirkstoff, welches in einer bestimmten Konzentration zur Diagnose, Heilung oder Prophylaxe einer Erkrankung Anwendung findet.
Phlegmone
heute nur noch äußerst selten vorkommende Bindegewebsentzündung, im Gegensatz zum Abszeß ohne örtliche Abgrenzung und mit geringem Eitervorkommen; 'sich schrankenlos ausbreitende' Entzündung, begleitet von hohem Fieber und reduziertem Allgemeinbefinden. Verursacher dieser vor Einführung der Antibiotika häufig (~40%) tödlichen Erkrankung sind meist Streptokokken. 90 Prozent der P. im Kieferbereich gehen von vereiterten Zähnen aus, davon verlaufen auch heute noch einige Fälle tödlich.
Phobie
grch. 'Furcht', abnorme, neurotische Erwartungsangst vor bestimmten Objekten (z.B. Spinnen) oder Situationen (z.B. zahnärztliche Behandlungsangst). Nach psychoanalytischer Auffassung liegt eine innere Angst vor verdrängten Wünschen zugrunde, die mit dem Inhalt der P. oft symbolhaft assoziiert werden; andere Theorien gehen von fehlerhaften Lernprozessen des die P. auslösenden Umstandes aus.
Phosphatzement
eines der am häufigsten gebrauchten Materialien in der ZHK, entweder als Unterfüllung unter einer definitiven Füllung oder als Befestigungszement für Zahnersatzarbeiten. Der P. wird aus Pulver (80-90%iges Zinkoxid und andere Beimengungen) und Flüssigkeit (50-60%ige Orthophosphorsäure) angemischt oder ist vordosiert in sog. 'Kapseln' auf dem Markt. Die P. sind auf lange Dauer nicht speichelbeständig, sie werden ausgewaschen. Deshalb ist ein exakter Randschluß von Zahnersatzarbeiten (z.B. Kronen, Brücken, Inlays) unbedingt erforderlich.
Photopolymerisation
siehe unter Lichtpolymerisation.
Phylogenese
Stammesentwicklung, Lehre von der Weiterentwicklung und Anpassung der Arten im Laufe der Evolution. In der ZHK bekannt ist die sog. 'Gebißreduktion' als Anpassung an veränderte Lebensgewohnheiten.
physiologische Kochsalzlösung
Lösung von Natriumchlorid in sterilem, destillierten Wasser. In 0,9%iger Konzentration hat sie die gleichen osmotischen Werte wie das natürliche Blut. In der ZHK gebräuchlich zur Kühlung und Spülung während Operationen.
Piercing
Metallschmuck (Ringe, Kugeln usw.) an allen möglichen und unmöglichen Körperstellen; zahnmedizinisch von Beachtung, wenn dieser 'Trendsetter' (siehe auch unter Dazzler) an der Lippe, Zunge oder Uvula (Gaumenzäpfchen) befestigt wird. Gerade in der mit Bakterien reichlich versehenen Mundhöhle ist das P. nicht ohne Risiko; so werden aus den USA - wo diese Trendmode entstand - starke Infektionen bis hin zur Behinderung der Atmung gemeldet; ebenso wird bei falscher Technik über erhebliche Nachblutungen (die Mundhöhle ist eine der am stärksten durchbluteten Körperregionen) und kosmetisch störende Narben berichtet. Der Schmuck selbst kann beim Kau- und Schluckakt zu Beschädigungen der Zähne führen. Da das P. meist in hygienisch völlig ungenügenden Hinterzimmern von selbsternannten Experten durchgeführt wird, besteht weiterhin die große Gefahr einer Infektion mit Hepatitis oder HIV (AIDS); während des Tragens sind bei unedlen Metallegierungen allergische Reaktionen nicht selten zu beobachten. Ein fachlich korrektes P. wird von den Zahnärzten aus ethischen Gründen abgelehnt.
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Pinlay
Sonderform einer Gußfüllung; sie trägt an ihrer Unterseite zum besseren Halt Verankerungsstiftchen, welche in vorher in die Zahnhartsubstanz präparierte Kanäle exakt hineinpassen; seltene zahnärztliche Versorgung wegen der Gefahr einer Nervverletzung durch den Stift (Pin).
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Placebo
lat.: 'ich werde gefallen'; in Form, Farbe und Geschmack einem bestimmten Arzneimittel nachgebildetes Präparat, welches jedoch keine pharmakologisch wirksamen Stoffe enthält; ermöglicht so die Unterscheidung zwischen subjektiver (Einbildung) und objektiver Wirksamkeit (==> Blindversuch). Eine nicht unerhebliche Anzahl von 'Medikamenten' wirkt ausschließlich durch den Placeboeffekt.; so teilt z.B. das Bundesgesundheitsministerium (BGM) in Deutschland mit, daß 16.000 verkaufte Arzneiarten ohne jeglichen Nachweis eines Nutzens seien.
Plaque
weiche, weißliche Zahnbeläge, hauptsächlich bestehend aus einer schwer abwischbaren (normales Mundspülen entfernt keine P.; dagegen richtiges Zähneputzen immer) bakterienverseuchten eiweiß- u. polysaccharidhaltigen Masse. Nur aus der P. heraus kann sich Karies und der für das Zahnfleisch so schädliche Zahnstein entwickeln. Eine Studie des IDZ zeigt, daß Patienten mit P. ein 5mal höheres Risiko tragen, an Parodontitis zu erkranken. Die Bildung der P. dauert mehrere Tage; sie entwickelt sich aus einem den Zahn natürlicherweise als Schutzfilm überziehendem Schmelzoberhäutchen (Pellicle). Wegen ihrer Farbe und der damit verbundenen Unauffälligkeit auf den Zähnen, ist es von Zeit zu Zeit ratsam, die P. mit sog. Färbetabletten darzustellen, um so die Putztechnik zu überprüfen. Siehe auch unter Materia alba. Neben der mechanischen Entfernung, kann die P.-bildung auch chemisch durch Mundspüllösungen (Chlorhexidin, meridol®) gehemmt werden. Dies ist z.B. dann nötig, wenn das normale Zähneputzen wegen einer Zahnfleischoperation oder eines Kieferbruches nicht möglich ist, sowie bei behinderten Patienten. Siehe auch unter Kariogenität.
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Plaqueindex, PI
Meßzahl zum Bestimmen der Mundhygiene. Die Plaque auf den einzelnen Zähnen wird nach ihrem graduellen Vorkommen gemessen (Werte von 0-5; meist nach Sichtbarmachen durch Anfärben) und deren Summe durch die Anzahl der untersuchten Zahnflächen geteilt. Wichtiges Kriterium zur Bestimmung der Mundhygiene bei Parodontalbehandlungen oder Versorgung mit Implantaten.
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Plaqueindikatoren, Plaquerelevatoren
siehe unter Färbetabletten.
plastische Füllungen
Füllungen aus Werkstoffen, welche zum Zeitpunkt des Einbringens in die Kavität noch verformbar sind und erst nach einer bestimmten Dauer in dieser erhärten; im Gegensatz zu den 'festen' Füllungen (z.B. Gußfüllungen), welche nach einem Abdruck der Kavität außerhalb des Mundes hergestellt werden. Die p.F. stellen den Hauptanteil an den gelegten Füllungen im Mund; typische Vertreter sind die Amalgame und Komposites.
Abb. oben: zahnfarbene Füllung (Komposite),
Abb. unten: Amalgamfüllung.
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Plattenprothese
einfachste Form des herausnehmbaren Zahnersatzes, meist nur als Provisorium in Gebrauch. Eine Abstützung der Halteklammern erfolgt nicht, die Kaukräfte werden ausschließlich auf die Kieferschleimhaut übertragen.
Platzhalter
==> frühzeitiger Milchzahnverlust.
Plexus
Geflecht; netzartige Vereinigung von Nerven oder Blutgefäßen.
Plica
Falte; Ausdruck für die Schleimhautfaltungen des harten Gaumens: plicae palatinae transversus. Die ähnlich dem Fingerabdruck äußerst individuelle Faltung des Gaumens kann in der Kriminologie Anwendung zur Indentifizierung finden.
Plombe, Plombieren
laienhafter Ausdruck für eine Füllung bzw. eine Füllung legen; der Ausdruck leitet sich von der französischen Bezeichnung plomb = Blei ab, ein früher gebräuchliches 'Füllungsmaterial'.
Polieren, Politur
notwendiges Verfahren zum Vergüten der Füllungsoberfläche oder eines Zahnersatzstückes; ebenso zur Glättung der natürlichen Zahnoberfläche nach einer Zahnsteinentfernung: mit aufeinander abgestuften Polierinstrumenten wird die Oberfläche von Unebenheiten bereinigt und bietet so der Plaque weniger Gelegenheit zur Anhaftung. Besonders bei Gußfüllungen ist durch eine spezielle Poliertechnik mit sog. Schlagpolierern ein 'Überdecken' des kritischen Füllungsrandes zum Schmelz hin möglich; Bakterien können so kaum noch unter die Füllung wandern. Gut polierte Amalgamfüllungen behalten über viele Jahre ihren silbrigen Glanz; Komposites verfärben sich nach einer guten Oberflächenpolitur durch Nahrungsfarbstoffe kaum.
Polyglas
weißes Füllungsmaterial, welches im Gegensatz zu den Kompositen keine keramischen Füllkörper, sondern Füllkörper auf Glasbasis besitzt. Der Hersteller des Werkstoffes Solitaire® weißt dieser Zusammensetzung bessere Härte- und Schrumpfungseigenschaften zu. Untersuchungen an 430 Seitenzahnfüllungen zeigen gegenüber den Kompositen zwar verbesserte Verarbeitungseigenschaften, aber keine grundsätzlich besseren Materialeigenschaften.
Polymerisationsschrumpfung
besonders beim Verarbeiten von Füllungskunststoffen ("weißen", stopfbaren Füllungen) auftretender negativer Effekt, welcher die Randdichtigkeit der Füllung vermindert. Durch die Säure-Ätztechnik und eine Sandwich-Technik wird versucht, dieses Verhalten zu kompensieren.
Pont-Index
Begriff aus der Kieferorthopädie; in einem normal ausgebildeten Kiefer ergibt sich eine Abhängigkeit zwischen der Breite der 4 Schneidezähne (=SI) und der Strecke zwischen den ersten kleinen Backenzähne (=80 oder 85 mm) bzw. den ersten großen Backenzähnen (=64 oder 65 mm). Der P-I ist eine wichtige Behandlungsgrundlage.
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Porzellan
Keramik mit hoher Dichte aus kaolinitischem Ton, Feldspat und Quarz. In der ZHK kommen die sog. 'harten' P. (hoher Feldspatanteil) für Zahnersatzarbeiten zur Anwendung. Über eingelagerte Metalloxide läßt sich die Farbe variieren.
Positioner
herausnehmbares kieferorthopädisches Gerät aus weichbleibendem Kunststoff. Zweck des P. ist die Fixierung eines regulierten Gebißzustandes (u.U. können noch kleinere Korrekturen mit dem P. durchgeführt werden) besonders in der Wachstumsphase, um Rezidive zu vermeiden.
Prädilektionsstelle
bevorzugte oder typische Stelle für das Auftreten einer Erkrankung. So sind z.B. P. für eine Karies die Fissuren und Grübchen der Kaufläche, sowie die der Reinigung schwer zugänglichen Zahnzwischenräume.
Präkanzerose
'Vorkrebserkrankung', welche zwar noch kein bösartiges Geschwulst darstellt, statistisch gesehen aber gehäuft bei Nichtbehandlung in ein Karzinom übergeht. Von Bedeutung sind in der ZHK die Leukoplakien.
prälaktale Zähne
selten vorkommende, schon bei der Geburt vorhandene, einer verkümmerten, überzähligen Zahnleiste entspringende zahnänliche Gebilde im Unterkieferbereich. Da sie keine Wurzel besitzen, fallen sie bald aus, und sind so - im Gegensatz zu einem Dens natalis - beim Stillakt für die Mutter ohne Bedeutung.
Prämolar
vorderer oder kleiner Backenzahn. Im bleibenden Gebiß jeweils zwei vor (=prä) den großen Backenzähnen (Molaren) stehende Zähne.
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Prämolarisierung
selten durchgeführte Methode bei stark an Parodontose erkrankten, mehrwurzligen Backenzähnen:
Nach Abtöten des Zahnnervs und einer Wurzelbehandlung wird der Zahn an der Aufteilungsstelle der Wurzeln (Bifurkation) in mehrere Teile aufgeteilt, um so eine bessere Reinigung der Wurzelabschnitte zu ermöglichen.
Siehe auch unter Hemisektion.
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Präparation
Fachausdruck für das Bearbeiten eines Zahnes mit rotierenden ('Bohrer') oder oszillierenden Instrumenten (i.d.R. diamantbeschichtet) zur Aufnahme einer Füllung bzw. Krone. Zum Ableiten der Wärme wird die P. feucht - d.h. mit einem Wasser-Luft-Gemisch ("Spray") - durchgeführt.
Je nach Zweck der P. werden verschiedenartige Instrumente gebraucht (==> 'Schleifen'). Nebenstehende Abbildung zeigt die P. für unterschiedliche Kronenarten. Zu beachten ist der relativ hohe Substanzverlust bei der Stufenpräparation, wie sie bei der Vollkeramikkrone vorgeschrieben ist.
Die versch. Präparationsformen beim Ausbohren eines Zahnes siehe unter Füllungen.
Vor der Abdrucknahme zur Weiterverarbeitung in einem Zahnlabor werden die Zahnstümpfe temporär meist mit Retraktionsfäden versehen.
Bis zur Eingliederung des endgültigen Ersatzstückes werden die präparierten Zähne mit einem Provisorium versehen.
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Präparationstrauma
Schädigung des Zahnnerven (Pulpa) durch ungenügende Kühlung ("Spray"), zu hohen Druck oder stumpfe Schleifinstrumente beim Bearbeiten eines Zahnes bzw. bei zu großer Abbindehitze von im Mund hergestellten Provisorien. Steigt die Temperatur in diesem empfindlichen Körpergewebe über 42° C an, so kommt es zu einer thermischen Schädigung und i.d.R. zum Absterben des Gewebes. Da die Pulpa primär nicht infiziert ist, kommt es meist erst nach einiger Zeit - wenn die eigentliche Versorgung des Zahnes längst abgeschlossen ist - zu schmerzhaften Reaktionen und Eiterungen.
Prävention
medizinische Maßnahmen zur Früherkennung und -behandlung von Erkrankungen. In der ZHK gibt es vielfältige Maßnahmen der P.. Näheres siehe unter Prophylaxe oder Kariesvorbeugung.
Praxiscomputer, Praxis-EDV
==> EDV.
Praxisgemeinschaft
==> Gemeinschaftspraxis.
Praxislabor
==> Labor.
Primer
==> moderne Haftvermittlungssysteme.
Private Krankenversicherung (PKV)
als Vollversicherung von ca. 8% der deutschen Bevölkerung abgeschlossen; häufiger ist der Abschluß von sog. Zusatzversicherungen, z.B. beim Zahnersatz. Im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung erstatten die PKVen im Rahmen ihrer Tarife nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) die zahnärztliche Liquidation. Es besteht kein irgendwie geartetes Rechtsverhältnis zwischen einer PKV und dem Zahnarzt. Der Vertragspartner ist immer der Patient, welcher seine Kosten direkt bei der Versicherung anmeldet. Im Rahmen der sog. 'Fürsorgepflicht' für seine Patienten ist der ZA allerdings zu im Rahmen vertretbaren Auskünften gegenüber der PKV verpflichtet.
Probeexzision
Entnahme eines kleinen erkrankten Gewebestückes mit gesundem Randgewebe zur histologischen Untersuchung; der histologische Befund dient zur Absicherung der Diagnose.
Procain
==> siehe unter Novocain®.
Progenie
eine Form der sog. Dysgnathie; umgekehrter Frontzahnüberbiß, d.h. die unteren Schneidezähne beißen über die oberen, verbunden mit einem prominenten, vorstehenden Kinn (sog. Habsburgerkinn o. Habsburgerlippe). Die echte P. ist vererbt. Unterschieden werden muß von der echten P. der sog. progene Zwangsbiß, bei welchem einzelne oder alle oberen Schneidezähne durch Zahnfehlstellungen hinter die unteren Zähne beißen und die unechte Progenie (Pseudoprogenie), welche durch einen zu kleinen Oberkiefer (Retrognathie, Mikrognathie) bei normalem Unterkiefer verursacht wird. Eine diagnostisch sichere Abgrenzung ist bei den versch. Progenieformen nur durch eine Fernröntgenbildanalyse möglich.
Die Behandlung der echten P. ist äußerst schwierig und - da genetisch bedingt - häufig zu Rückfällen (Therapierezidiven) neigend. Sollten die klassischen kieferorthopädischen Behandlungsmethoden zu keinem Erfolg führen, muß die chirurgische Beseitigung der P. in Betracht gezogen werden:
Für diesen schwierigen Eingriff gibt es versch. Operationsarten (nach Babcock, Dingmann, Köle, Obwegeser), welche ein Stück Knochen aus dem Unterkiefer sägen bzw. den Knochen durchtrennen und zurückversetzen, und den so operierten (verkleinerten) Unterkiefer durch eine sog. 'intermaxilläre Verschnürung' bis zur endgültigen Abheilung an den Oberkiefer fixieren. Der Knochen wird bei den meisten Operationsarten zur Schonung von Gefäßen und Nerven (z.B. des N. Trigeminus) im aufsteigenden Unterkieferast oberhalb des Foramen mandibulae durchtrennt. Bei regelrechter Verheilung und Verzahnung des zurückversetzten Unterkiefers ist später keine weitere Behandlung nötig.
==> Siehe auch unter angeborene Anomalien auf eigener Seite.
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Prognathie, Protrusion
eine Form der sog. Dysgnathie; Vorstehen des Oberkiefers über das normale Maß hinaus. Ähnlich wie bei der Progenie unterscheidet man die echte P., bei welcher der Oberkiefer im ganzen zu groß oder vorverlagert ist, von den Formen, bei welchen entweder die Schneidezähne allein oder zusammen mit dem Alveolarknochen nach vorn 'verbogen' sind (z.B. Lutschprotrusion); eine seltenere Form stellt der angeborene zu kleine Unterkiefer dar. Eine diagnostisch sichere Abgrenzung ist bei den versch. Protrusionsformen nur durch eine Fernröntgenbildanalyse möglich. Die Behandlung erfolgt i.d.R. durch festsitzende oder herausnehmbare kieferorthopädische Geräte, häufig in Kombination mit der Entfernung eines kleinen oberen Backenzahnes und ist im Gegensatz zur Progenie konventionell gut beherrschbar. Nur in besonders schweren und therapieresistenten Fällen bzw. im Erwachsenenalter, wird eine kombinierte chirurgische-kieferorthopädische Behandlung mit Durchtrennung u. Verlagerung (Drehung) und / oder Entfernung von Gaumenknochen bei gleichzeitiger Extraktion eines o. beider kleinen Backenzähne durchgeführt. Wie bei der Progenie erfolgt in der Heilphase eine sog.'intermaxilläre Verschnürung'.
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Prothese, zahnärztliche
zahntechnisches Werkstück zum Ersatz einiger (=Teilprothese, partielle Prothese) oder aller Zähne (=Vollprothese) meist auf Kunststoffbasis, bei Teilprothesen auch auf Metallbasis, die Zähne können aus Kunststoff (gebräuchlicher) oder Porzellan gefertigt sein; im Volksmund auch häufig als Gebiß bezeichnet. Die Abdrucknahme, Bißbestimmung, Farbauswahl und Eingliederung einer P. sind nach dem Zahnheilkundegesetz ausschließlich zahnärztliche Maßnahmen (=Dienstvertrag), während die Anfertigung von Prothesen auf Weisung eines Zahnarztes in sog. Labors (=Werkvertrag) erfolgt.
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Prothesenhaftmittel
==> Haftmittel.
Prothesenpflege, -reinigung
auch die sog. "Dritten Zähne" müssen entsprechend sauber gehalten werden. Zur Reinigung wird die Prothese aus dem Mund genommen und mit einer milden Zahnpasta (möglichst ohne Abrasivstoffe) geputzt werden. Eine tiefere Reinigung erfolgt in spez. Ultraschallbädern oder mit den relativ teuren Reinigungstabletten, welche zusätzlich noch den Nachteil haben, den Prothesenkunststoff auf Dauer anzugreifen. Eine ungenügende Reinigung bedingt neben einem üblen Mundgeruch häufig eine Entzündung des Zahnfleisches (=Prothesenstomatitis). Nach gründlicher Reinigung bestehen keine Bedenken gegen ein nächtliches Tragen; das sog. "Gebiß im Wasserglas" entstammt noch aus den früheren Empfehlungen bei Prothesen auf Kautschukbasis.
Prothetik
Lehre von der Wissenschaft und Kunst des Ersatzes von verlorengegangen oder von Geburt an nicht vorhandenen Körperteilen. Die zahnärztliche P. beschäftigt sich besonders mit der funktionellen Wiederherstellung verlustiger Zähne, fehlendem Knochengewebe und der damit verbundenen kosmetischen Beeinträchtigung.
Protrusion
==> Prognathie.
Provisorium, provisorische Versorgung
Maßnahmen entweder zum Schutz eines Zahnes nach Präparation bis zur Eingliederung des endgültigen Ersatzstückes (Krone, Brücke) oder als temporäre Versorgung einer Zahnlücke bis zur späteren Versorgung mit einer Brücke oder herausnehmbaren Prothese (Interimsprothese). Die P. werden entweder direkt im Mund (näheres siehe unter Scutan®) oder nach Abdruck in einem Dentallabor (dauert meist mehrere Stunden) individuell angefertigt (der Gebrauch konfektionierter P. ist kaum noch gebräuchlich) und mit provisorischem Zement eingesetzt; sie sind später wertlos. Sinn eines P. ist zum einen der Schutz der bearbeiteten Zähne vor chemischen und thermischen Reizen, zum anderen eine Abstützung des Zusammenbisses. Im sichtbaren Bereich zwingen kosmetische Gründe zur Versorgung mit einem P..Siehe auch unter Langzeitprovisorium.
Prüfungsausschuß
bei den kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen) angesiedelte Prüfungseinrichtung. Sie ist paritätisch mit je gleich vielen Krankenkassenvertretern und Zahnärzten besetzt und überprüft die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Vertragszahnärzte. Wird eine Unwirtschaftlichkeit festgestellt, muß der Zahnarzt die erbrachten aber kassenmäßig nicht erfoderlichen Leistungen zurückzahlen, er wird in Regreß genommen. Unter 'Wirtschaftlichkeit' versteht man nach dem Sozialgesetzbuch eine "ausreichende, zweckmäßige und notwendige Behandlung" der Kassenversicherten; sie bedeutet nicht das therapeutisch Machbare oder medizinisch Sinnvolle. Insofern ergeben sich nach der ärztlichen Ethik häufig Konflikte zwischen dem, was von der Kasse bezahlt wird und dem, was medizinisch indiziert ist. Im Rahmen von Verwaltungsvereinfachungen ist in den letzten Jahren die Einzelfallüberprüfung zugunsten statistischer Durchschnittsüberprüfungen zurückgedrängt worden.
Gegen die Beschlüsse der Prüfungsausschüße kann beim ebenfalls im Rahmen der Selbstverwaltung existierendem Prüfungsbeschwerdeausschuß Widerspruch eingelegt werden. Kann dem Widerspruch nicht abgeholfen werden, kann die (kostenlose) ordentliche Sozialgerichtsbarkeit angerufen werden.
Psychopharmaka
Substanzen, welche bei höheren Lebewesen die Verhaltensweise verschiedenartig beeinflussen können. So unterscheidet man grob:
» Euphorika, wie Alkohol, Morphium, Cocain usw.,
» Tranquilizer zur Beseitigung von Angst und inneren Spannungszuständen,
» Neuroleptika zur Behandlung von Schizophrenie, krankhafter Erlebnisinhalte und Halluzinationen,
» Antidepressiva zur Stimmungsaufhellung und Depressionslösung,
» Thymeretika zur Antriebssteigerung
» und eine Vielzahl weiterer Stoffe, welche den Rahmen dieses Lexikons sprengen würden.
Allen P. gemeinsam ist die körperliche und phychische Abhängigkeit bei längerem Gebrauch bis hin zur völligen Entfremdung der eigenen Persönlichkeit.
Zu beachten ist bei der Einnahme von P., daß sich viele Medikamente nicht mit gerbstoffhaltigen Getränken (Kaffee, Tee) vertragen, indem ihre Wirkung vermindert wird.
Ptyalismus
übermäßige Speichelproduktion, Hypersalivation, Hypersialose, Sialorrhöe. Wird natürlich kurzzeitig beim Anblick von Nahrung bzw. deren Kauen oder Manipulationen in der Mundhöhle ausgelöst; ebenso durch Medikamente (Parasymphathomimetika wie Muskarin, Pilocarpin). Begleiterscheinung bei Erkrankungen wie einer Stomatitis, Störungen des Magen-Darmtraktes, bei weiblichen Hormonumstellungen (Schwangerschaft, Klimakterium), Trigeminusneuralgie usw..
Pulpa, Zahnmark
lat.: 'fleischiges', Zahnmark, laienhaft: "Nerv" o. "Zahnnerv"; lebendes Gewebe, welches die Pulpenhöhle und die Wurzelkanäle eines Zahnes auskleidet. Die P. besteht aus zahlreichen Blutgefäßen und feinsten Nervenendigungen des Trigeminus. Ihre Außenschicht zum Zahn hin besteht vorwiegend aus den Dentin ("Zahnbein") bildenden Odontoblasten. Sie nimmt mit zunehmenden Alter an Größe ab. Ihre Zerstörung, z.B. durch eine unbehandelte Karies, ist häufig mit sehr starken Schmerzen verbunden. Wird im Rahmen einer Wurzelbehandlung i.d.R. vollständig entfernt und im Wurzelkanalbereich durch die sog. Wurzelfüllung ersetzt.
Abb. links: isolierte Kronen- u. Wurzelpulpa eines unteren Backenzahnes.
Abb. rechts: Zerstörung der Zahnpulpa durch eine unbehandelte Karies bis hin zum Granulom.
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Pulpitis
Zahnmarkentzündung; die häufigste Ursache des Zahnschmerzes als Folge verschiedener Reize (Noxen):
» mit Abstand am häufigsten durch Bakterien, welche - bedingte durch eine tiefe, unbehandelte Karies oder sich unter alten bzw. "undichten" Füllungen oder Kronen neu entwickelnde Karies (Sekundärkaries) - in das Zahnmark vordringen können,
» durch physikalische Reize (Wärme, Kälte), wie sie vor allen Dingen beim Präparieren des Zahnes - wenn z.B. ohne den kühlenden Spray gearbeitet wird - auftreten können,
» durch chemische Reize als Folge von Kunststoffüllungen, Kavitätenreinigungsmitteln oder Befestigungszementen.
Eine schmerzhafte Pulpitis kommt seltenst aus "heiterem Himmel", sondern deutet sich immer - mehr oder weniger stark - vorher durch eine Empfindlichkeit auf Kalt und/oder Warm bzw. Süß oder Sauer an. Werden diese Warnsymptome nicht beachtet, und treten in der Pulpa eitrige Entzündungen (sog. Pulpaabszeß) auf, so können irgendwann äußerst starke Scmerzen auftreten, welche sich allein mit Medikamenten kaum behandeln lassen. Die Pulpa stirbt ab und kann bei Nichtbehandlung an der Wurzelspitze weitere Eiterungen verursachen.
Eine Diagnose dahingehend, wieweit der Zahnnerv schon entzündet ist, ist i.d.R. schwierig; vorsichtig läßt sich sagen, daß eine Reaktion bei Kälte auf eine leichte Erkrankung hindeutet, während Schmerzen auf Warm bedeuten, daß sich schon eine Eiterung gebildet hat, die eine Wurzelbehandlung nach sich zieht.
Die Behandlung der Pulpitis erfolgt primär durch Entfernung der die Entzündung hervorrufenden Ursachen, meist in einer Entfernung der tiefen Karies. Sollte sich in der Pulpa noch kein Eiterherd befinden, so kann die P. durch lokales Aufbringen von entzündungshemmenden Medikamenten (z.B. Calxyl) noch am Leben gehalten werden; sonst ist zur Schmerzbeseitigung und endgültigen Behandlung eine Wurzelkanalbehandlung nach vorheriger Entfernung des Zahnnerves unumgänglich.
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Punktwert
Verrechnungseinheit in der kassenzahnärztlichen Versorgung bei den sog. Sachleistungen (z.B. Untersuchungen, Füllungen, Extraktionen). Jeder zahnärztlichen Leistung wird nach dem sog. 'Bewertungsmaßstab" (BEMA) ein Punktwert zugeordnet. Näheres siehe unter BEMA.
Pulverstrahltechnik, Pulverstrahlgeräte
1.) Anwendung der P. zur Entfernung von Nahrungs- und Genußmittelverfärbungen; sog. 'Air-Flow-Systeme'.
2.) neuartiges, klinisch noch wenig erprobtes Verfahren zur Kariesbehandlung; von der anbietenden Industrie unseriös als "berührungsloses Bohren" bezeichnet (sog. kinetische Kavitätenpräperation (KCP)). Die Wirkung der P. entsteht durch kleinste Kügelchen aus Aluminiumoxid (ca. 8tausendstel Millimeter Korngröße), welche durch einen Druckluftstrom beschleunigt und durch eine feine Düse (0,4-0,6 mm Ø) gepresst werden. Dieser Strahl wird auf den erkrankten Zahn gehalten und so entsprechendes Zahngewebe abgetragen; nach Angaben eines Herstellers ("Swift") im Zehntelmillimeterbereich. Vorteil dieser Technik ist nach Herstellerangaben die vibrationsfreie Behandlung, regelmäßige Kavitätenränder und eine natürliche Rauhigkeit der Kavität zur haltbareren Aufnahme von Füllungsmaterialien. Nachteilig ist nach objektiven Kriterien das Abtragen von Zahnsubstanz ohne direkten Kontakt mit dem Objekt und einer damit verbundenen Ungenauigkeit und eine nur ungenügende klinische Erfahrung; ebenso ist die Lärmbelästigung durchaus mit der durch das konventionelle Vorgehen verursachten gleichzusetzen. Eine Präzision und Effektivität wie bei herkömmlichen Bohrinstrumenten ist bei weitem nicht zu erreichen. Nicht zu unterschätzen sind auch die Vorsichtsmaßnahmen, welche getroffen werden müssen, um den Patienten nicht zu verletzen. Vorsichtige Einsatzgebiete können in der Vor- und Nachbehandlung von Kavitäten und in der Oberflächenbearbeitung (Konditionierung) von Kronen und Inlays liegen. Ob ein 'in den Verkehr bringen' dieser 'Sandstrahlgeräte' nach dem Medizinproduktegesetz überhaupt erfolgen darf, erscheint fraglich, da bisher keine der dafür zuständigen Stellen mangels Erfahrung und Sachkenntnis die vorgeschriebene Unbedenklichkeit bescheinigt hat. Dies hält allerdings die Hersteller nicht davon ab, ihre Produkte über den grünen Klee zu loben. Seriösere Produzenten sagen selbst, daß nur eine geringe Indikation bei geringfügiger Karies besteht und die Geräte nicht zu häufig eingesetzt werden sollten.
Siehe auch unter alternative Behandlungsmethoden.
pyrogen
Fieber verursachend.
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